Vor 800 bis 600 Millionen Jahren brachen mehrere extreme Eiszeiten in relativ kurzer Zeit über die Erde herein. Damals wurden weltweit auf fast allen Landflächen Gletschersedimente abgelagert. Sogar Kontinente, die zu dem Zeitpunkt am Äquator lagen, zeigen Spuren dieser Vereisung.
Wissenschaftler wie Paul F. Hoffman und Daniel P. Schrag von der Harvard University vermuten, dass es während der bis zu zehn Millionen Jahre dauernden Kälte-Phasen zu einer vollständigen Vergletscherung der Erde kam – auch „snowball earth“ genannt. Nur die aus dem geschmolzenen Kern aufsteigende Wärme verhinderte damals nach Auffassung von Hoffman und Schrag ein vollständiges Einfrieren der Ozeane bis auf den Meeresgrund.
Trotzdem kam es in diesen Zeiten, als die Erde wie ein kosmischer Schneeball durch das All flog, zu einem gewaltigen Massensterben unter den dort lebenden primitiven Organismen. Nur eine kleine Fraktion überlebte die Temperaturen von Minus 50 Grad Celsius und mehr. Wie aber konnte die Erde wieder aus diesem tiefen Kälteschlaf erwachen?
Für Hoffman und Schrag kein Problem: Des Rätsels Lösung lautet Kohlenstoffdioxid. Durch zahlreichen Vulkane inmitten der Eiswüste wurden große Mengen an CO2 in die Atmosphäre gepumpt. Mit der Zeit stieg die CO2-Konzentration dabei auf absolute Rekordwerte. Durch den damit verbundenen Treibhauseffekt erwärmte sich der Planet in wenigen hundert Jahren und die Eismassen begannen zu schmelzen. Nahezu alles Leben auf der Erde, das den Kälteschock überlebte hatte, starb nun den Hitzetod. Bis zu vier Mal, so vermuten Hoffman und Schrag soll dieses Szenario zwischen 750 und 580 Millionen Jahren vor heute abgelaufen sein.