Eine Vielzahl von Findlingen, Hügel und Seen: Ein Großteil der uns gut bekannten Landschaftsmerkmale der norddeutschen Tiefebene sind auf die letzten beiden Eiszeiten zurückzuführen. Wie gigantische Planierraupen schoben sich die Gletscher von Skandinavien aus über das Land. Was sich ihnen in den Weg stellte, wurde plattgewalzt oder mitgeschleppt. Die zum Teil mehrere hundert oder tausend Meter dicken Eismassen schürften das Land aus und machten aus stattlichen Gebirgen sanfte Hügel oder flache Ebenen. Milliarden Tonnen an Sand, Gestein und Geröll gelangten auf diese Art und Weise nach Deutschland.
Dort, wo die vorrückenden Eismassen zum Stillstand kamen, lagerten sich Schotter und Gesteinsmassen ab und es bildeten sich Endmoränenwälle. Mit der Zeit entstanden daraus attraktive wechselvolle Berg- und Tallandschaften. Viele dieser Relikte der Eiszeit, wie die Harburger Berge in der Nähe von Hamburg oder die Holsteinische Seenplatte sind heute beliebte Ausflugs- und Tourismusgebiete.
Findlinge
Auch größere Gesteinsbrocken mit einem Durchmesser von ein bis zwei Metern – die sogenannten Findlinge – findet man in der norddeutschen Tiefebene relativ häufig. Manche haben ein Gewicht von bis zu 300 Tonnen. Einer dieser Godzillas unter den Findlingen ist das unter Naturschutz stehende Holtwicker Ei im Münsterland.
Aber nicht nur die Freizeitindustrie profitiert heute noch von den vergangenen Eiszeiten, auch die Landwirtschaft hat den im Laufe der Erdgeschichte regelmäßig vorrückenden Gletschermassen einiges zu verdanken. Mithilfe von Fallwinden oder Stürmen wurden während der Eiszeiten große Mengen an feinen mineralischen Bestandteilen über die Tiefebene getrieben. Die winzigen Quarz- und Kalkkügelchen türmten sich schließlich in meterdicken Schichten vor den Mittelgebirgen auf oder lagerten sich in den Flusstälern ab.