
Löwen in Gefahr © IMSI MasterClips
Schuld daran ist dieses Mal ausnahmsweise nicht in erster Linie der Mensch. Wie die Forscher Pieter Kat und Kate Nicholls von der Organisation Lion Aid festgestellt haben, ist es ein Lentivirus, der den Tieren zu schaffen macht und den Bestand dezimiert. Fast alle Löwen im Moremi-Reservat sind mittlerweile nach Angaben von Kat und Nicholls von dem gefährlichen Erreger befallen.
„Der Eindruck verstärkt sich immer mehr, dass das Virus einen bedeutenden Einfluss auf die Lebenserwartung der Löwen hat und wohl auch auf die Fortpflanzung,“ sagt Pieter Kat in einem Beitrag der ZDF-Sendung „ZDF.umwelt“. Die von den Biologen ermittelten Fakten unterstützen diese Vermutung: Nur rund ein Drittel der Löwenweibchen im Reservat war zum Zeitpunkt der Untersuchungen tragend. Ein nicht unerheblicher Teil des Löwennachwuchses starb zudem noch vor der Geburt oder kurz danach.
Doch Kat und Nicholls haben die Hoffnung auf die Rettung des Königs der Tiere noch längst nicht aufgegeben. „Wir werden herausbekommen, in welcher Form das Virus das Leben der Löwen beeinflusst. Und wir wollen uns dafür einsetzen, dass keine Krankheiten von außen in den Lebensraum eingeschleppt werden. (…) Wenn wir die beiden Dinge in den Griff bekommen können, dann gibt es Grund zu hoffen, dass die Löwen hier den Kampf ums Überleben gewinnen werden“, so der Forscher.
Buffalo fences oder Todeszonen?

Zebras auf Wassersuche © IMSI MasterClips
Ein mehr als umstrittener Versuch, das Einschleppen von Krankheiten in das Okavango-Delta – oder aus ihm heraus – zu verhindern, sind die so genannten „Veterinary cordon fences“ oder „Buffalo fences“. In den 1940er Jahren wurden die ersten dieser Schutzzäune gebaut, um Viehherden und Wildtiere von einander zu trennen und damit den Austausch von Erregern zu verhindern. Heute gibt es rund 3.000 Kilometer dieser Schutzgitter, die in einigen Regionen das Okavango-Delta beinahe zooartig nach außen abriegeln.
Für die Rinderzüchtler lohnt sich dieser vergleichsweise große Aufwand trotzdem. Denn zum einen gelten die Rinder in der Region als wichtiges Statussysmbol, zum anderen lässt beispielsweise die EU nur Fleischimporte zu, die garantiert frei sind von der Maul-und-Klauen-Seuche (MKS) oder anderen Tierseuchen. Da ein Großteil des Fleisches aus Botswana auf den Tellern der Verbraucher in Deutschland oder anderen EU-Staaten landet, versuchen die Botswaner mithilfe der Buffalo fences den Stempel „keimfrei“ zu erhalten.
Die bis zu drei Meter hohen Zäune haben aber noch eine andere Aufgabe. Sie schützen das empfindliche Ökosystem auch vor dem Eindringen der ständig wachsenden Viehherden Botswanas. Auf jeden der 1,44 Millionen Einwohner kommen mindestens zwei Rinder, die immer größere Gebiete kahlfressen und ständig auf der Suche nach neuer Nahrung sind. Die Buffalo Fences sind nach Angaben von Naturschützer aber oft plan- und wahllos in die Natur gesetzt worden. Häufig kreuzen sie wichtige Wanderungsrouten von Wildtieren wie Antilopen und versperren den freien Zugang zu wichtigen Wasserstellen. Wie die Naturschutzorganisationen berichten, haben sich die vermeintlichen Schutzzäune an vielen Stellen deshalb zu regelrechten „Todeszonen“ entwickelt…
Stand: 30.07.2004
30. Juli 2004