Ähnlich dramatisch wie sich das Aussehen einer Kaulquappe bei der Metamorphose zum erwachsenen Frosch verändert, so verwandelt sich auch ein Tsunami, wenn er die tiefen Meeresbereiche verlässt und sich dem Land nähert. Aus der langgestreckten, kaum einen Meter starken Woge wird ein steilaufragender, zum Teil bis zu 30 Meter hoher Gigant, der ganze Küstenregionen zu verschlingen droht. Der Grund dafür ist, dass die wachsende Bodenreibung das Tempo der Welle abrupt abbremst. Die Wellenlänge der Tsunami schrumpft dramatisch, ohne dass sich die mitgeführte Energie wesentlich verringert.
Viele Leute meinen, ein Tsunami würde immer in Form einer tosenden, brechenden Welle an Land schlagen – wie man sie von den Surfstränden auf Hawaii oder anderswo gut kennt – und alles in einem gigantischen Wasserwirbel vernichten. Dies ist aber nur selten der Fall.
Viel häufiger wird dagegen eine blitzschnell steigende und fallende „Flut“, die die tiefer gelegenen Gebiete mit großer Heftigkeit überschwemmt, beobachtet. Wie die Riesenwelle sich im Einzelnen verhält, hängt von verschiedenen Faktoren vor Ort ab. Riffe, Flussmündungen, unterseeische Gebirge, vorgelagerte Inseln, die Neigung eines Strandes – alle diese topographischen Elemente können das Aussehen der Tsunami beim „Landgang“ beeinflussen.
Nach Beobachtungen verschiedener US-Wissenschaftler steigen die Wellenhöhen bei einem Tsunami dann besonders stark an, wenn er in Buchten einfällt, die eine breite Öffnung haben und zum Ufer hin immer schmaler werden. Normale, vom Wind ausgelöste Wogen, können zusätzlich auf den Kämmen reiten und die Tsunamiwelle weiter erhöhen. Ein vorgelagertes Korallenriff dagegen nimmt der Tsunami meist einen großen Teil seiner Energie und vermindert die Auswirkungen auf die Küstenregionen.