Die fein verzahnten Komponenten unseres Schmerzsystems sind ein Wunderwerk an Komplexität und Anpassungsfähigkeit – allerdings nicht immer zu unserem Vorteil. Denn genau diese Flexibilität hat spätestens dann fatale Folgen, wenn sich das Gehirn an einen Schmerz „zu gut“ anpasst.
Normalerweise sorgt ein körpereigenes Hemmsystem dafür, dass Schmerzen schnell wieder abklingen: Die Beule am Kopf tut schon kurze Zeit später nicht mehr weh, der verstauchte Knöchel schmerzt nicht mehr beim Auftreten. Doch es gibt Schmerzen, die bleiben – und das häufig selbst dann, wenn ihr eigentlicher Auslöser längst nicht mehr existiert. Doch wie ist das zu erklären?
Das Geigenspiel bringt es an den Tag…
Lange Zeit waren Neurowissenschaftler der Meinung, dass der somatosensorische Kortex – die Gehirnbereiche, in denen die eintreffenden Schmerz- und Sinnesreize verarbeitet werden – bei Erwachsenen nicht mehr plastisch und damit nicht mehr veränderlich ist. Untersuchungen der letzten Jahre haben jedoch gezeigt, dass sich diese Gebiete nach Verletzungen oder durch Lernprozesse durchaus noch verändern können – und zwar sowohl in ihrer Größe als auch in der Lage der einzelnen Sinnesfelder.
So ist bei Berufsmusikern wie beispielsweise Violinisten das Areal, dass die Reize ihrer linken Hand verarbeitet, deutlich größer als bei Personen, die niemals gelernt haben, Geige zu spielen. Das jahrelange und früh begonnene Training hat mit der Zeit die Gehirnstrukturen offensichtlich dauerhaft modifiziert. Doch inzwischen hat sich herausgestellt, dass nicht nur Training, sondern auch Schmerz solche Spuren hinterlassen kann.