Immer wieder stellten plötzliche Fischsterben Wissenschaftler vor ein Rätsel. Ohne ersichtlichen Grund trieben auf einmal Millionen toter Fische auf dem Meer. Weit und breit war kein Räuber zu sehen, auch Wasserproben vom Ort des Geschehens schienen völlig gewöhnlich und lieferten keine brauchbaren Erkenntnisse. Erst 1992 kamen die Forscher dem Fischmörder auf die Spur – die Fährte führte sie zu mikroskopisch kleinen einzelligen Algen, den Dinoflagellaten.
Wie schaffen es die winzigen Einzeller, ganze Fischschwärme zu töten? Vor dem „Attentat“ warten die Algen in einem Ruhestadium am Grunde des Meeres auf eine Gelegenheit. In Zysten, die sie von der Außenwelt abkapseln, können die Einzeller ihren Stoffwechsel herunterfahren und auf diese Weise lange Zeit ohne Nahrung überdauern. Sobald sie den Fischschwarm bemerken – vermutlich durch chemische Substanzen, die die Fische ins Wasser abgeben – öffnen sich die Zysten innerhalb weniger Minuten und die Dinoflagellaten schwärmen aus.
Nervengift im Wasser
Im Wasser sondern sie ein starkes Nervengift ab, die Fische werden gelähmt und ersticken. Die Algen vermehren sich rasch und saugen mit röhrenförmigen Fortsätzen Hautfetzen und Nährstoffe der abgestorbenen Fische auf. Nun setzt auch sexuelle Vermehrung ein, im Anschluss kapseln sich die Flagellaten wieder in Zysten ein und beginnen auf dem Meeresgrund eine erneute Ruhephase. Aus diesem Grund konnten sie auch in den Wasserproben nicht gefunden werden.
Neben diesem extremen Beispiel gibt es verschiedene andere „Killer-Algen“, deren Massenvorkommen gefürchtet ist. Insgesamt gesehen sind die giftbildenden Algen zwar in der Minderheit – von etwa 6.000 Algenarten bilden nur 30-50 Toxine – in großer Menge können sie allerdings beträchtliche wirtschaftliche Schäden verursachen. Neben den Dinoflagellaten gehören verschiedene Blaualgen und wenige Kieselalgen zu diesen Arten.