Seitdem der Mensch die Regeln der Vererbungslehre kennt, kann er Lebewesen nach seinen Vorstellungen erschaffen: durch gezielte Züchtung. Sowohl das körperliche Erscheinungsbild als auch die charakterlichen Eigenschaften von Tieren lassen sich durch diesen selektiven Prozess beeinflussen. Im Laufe der Jahrhunderte ist so beispielsweise das Hausrind entstanden, von dem es inzwischen zahlreiche unterschiedliche Rassen gibt.

All diese Rinder gehen auf einen wilden Vorfahren zurück, den Auerochsen. Dieses ursprünglich in großen Teilen Asiens, Europas und auch in Nordafrika verbreitete Tier starb vor rund 2.000 Jahren weitestgehend aus. Nur in Zentraleuropa überlebte wahrscheinlich eine kleine Population – bis sie im 17. Jahrhundert ebenfalls verschwand.
Auerochse 2.0
Obwohl es den auch Ur genannten Vater des Hausrinds nicht mehr gibt, leben einige seiner charakteristischen Merkmale in heutigen Rinderrassen weiter. Einige haben seine stattliche Größe geerbt, andere seine nach vorne gerichteten Hörner, wieder andere sein aggressives Temperament. Diese Tatsache hat Wissenschaftler auf eine Idee gebracht: Wäre es möglich, den Weg vom Auerochsen zum Hausrind noch einmal zu gehen – nur in die entgegengesetzte Richtung?
Kreuzt man Vertreter jener Rassen, die typische Auerochsen-Eigenschaften aufweisen, könnte demzufolge nach und nach wieder ein dem ausgestorbenen Wildrind ähnliches Wesen entstehen. Ein erster Versuch einer solchen Rückzüchtung wurde bereits in den 1920er Jahren unternommen. Die daraus hervorgegangenen Heckrinder unterscheiden sich bezüglich ihres Körperbaus jedoch deutlich vom Vorbild. Deshalb sind inzwischen neue Projekte im Gang – unter anderem das sogenannte Tauros-Programm.