Archäologie

Israel: Antike Wüsten-Pyramide gibt Rätsel auf

Archäologen finden 2.200 Jahre alten monumentalen Pyramidenbau mit unbekannter Funktion

Wozu diente das 2.200 Jahre alte Pyramiden-Monument in der judäischen Wüste?© Israel Antiquities Authority

Mysteriöser Bau: Archäologen haben in der judäischen Wüste eine monumentale Pyramide unbekannter Funktion entdeckt. Das rätselhafte Bauwerk ist rund 2.200 Jahre alt und stammt damit aus der Zeit, als Israel unter hellenistischer Herrschaft stand. Wozu das Monument damals diente, ist jedoch völlig unklar. Das Team hofft, dass die zahlreichen weiteren Funde wie Schriftrollen, Bronzegefäße und gut erhaltene Reste von Möbeln mehr Aufschluss über Zweck und Erbauer der Wüsten-Pyramide geben.

Der Nahe Osten war schon vor Jahrtausenden eine begehrte und umkämpfte Region. Zwischen den Kleinasien, Mesopotamien und Ägypten gelegen, war er ein strategisch wichtiger Verbindungskorridor und ein kultureller Schmelztiegel. Ihm verdanken wir unter anderem die Ursprünge unseres Alphabets. Immer wieder geriet die Levante jedoch unter Fremdherrschaft durch ägyptische, asiatische oder später griechische und römische Eroberer. Sie alle hinterließen Zeugnisse ihrer Kultur.

Pyramiden-Ruine
Diese rätselhaften, 2.200 Jahre alten Pyramiden-Reste entdeckten Archäologen auf einem Berggipfel nahe des Toten Meeres. © Emil Aladjem/ Israel Antiquities Authority

Wüsten-Monument aus hellenistischer Ära

Doch ein aktueller Fund gibt Archäologen Rätsel auf. In der judäischen Wüste bei Nahal Zohar entdeckte das Team um Matan Toledano, Eitan Klein und Amir Ganor von der israelischen Antikenbehörde ein großes Pyramiden-Bauwerk. „Die Pyramidenstruktur ist riesig und besteht aus grob behauenen Steinen, jeder davon wiegt hunderte Kilogramm“, berichten die Archäologen. Datierungen ergaben, dass dieses Monument aus der Zeit vor rund 2.200 Jahren stammt.

„Entgegen ersten Annahmen stammt diese Struktur damit nicht aus der Zeit des ersten Tempels, sondern wurde später gebaut“, so das Team. Die Pyramide entstand in der Zeit, als Israel unter der Herrschaft der makedonisch-griechischen Ptolemäer und Seleukiden stand – Nachfolgern Alexanders des Großen. Eine Pyramide aus dieser eher von der hellenistisch Kultur geprägten Zeit ist daher sehr ungewöhnlich.

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Wachturm? Grab? Denkmal?

Rätselhaft ist auch, wozu die monumentale Pyramide einst diente. „Wir wissen immer noch nicht genau, wozu das Bauwerk diente: War es ein Wachturm, der eine wichtige Handelsroute bewachte, über die Rohstoffe wie Salz und Bitumen vom Toten Meer zu den Küstenhäfen transportiert wurden? Oder markierte diese riesige Struktur auf dem Berggipfel ein Grab oder diente als Denkmal? Es ist ein faszinierendes historisches Rätsel“, erklären Toledano, Klein und Ganor.

Mehr Aufschluss könnten vielleicht die zahlreichen weiteren Funde liefern, die die Archäologen und ihre freiwilligen Helfer im Umfeld der Pyramide entdeckt haben. Dazu gehören auf Papyrus geschriebene Texte in antikem Griechisch, Bronzemünzen mit den Köpfen von Ptolemäer-Herrschern und dem Seleukidenkönig Antiochus IV., aber auch kunstvoll gefertigte Bronzegefäße, Waffen und Werkzeuge. Dank des trockenen Wüstenklimas sind sogar hölzerne Möbelteile und Textilien erhalten geblieben.

Papyrus
Von den Archäologen gefundener Papyrus-Rest mit griechischen Schriftzeichen. © Emil Aladjem/ Israel Antiquities Authority

Reiche Funde

„Wir haben hier eine der reichsten und spannendsten Fundstätten, die je in der judäischen Wüste entdeckt wurden“, sagt Eli Escusido, Direktor der israelischen Antikenbehörde. „Diese Funde sind aufregend und ihre Bedeutung für die archäologische und historische Forschung ist enorm.“ Die Ausgrabung ist Teil eines umfangreichen Projekts, für das Archäologen und freiwillige Helfer die gesamte Wüstenregion zwischen Jerusalem und dem Toten Meer in den letzten acht Jahren nach Höhlen, Ruinen und Gräbern durchkämmt haben.

Dabei durchsuchten die Teams 180 Kilometer Klippen und rund 900 Höhlen – viele davon neu entdeckt. Tausende archäologischer Relikte wurden dabei gefunden. 2023 stießen die Archäologen in einer der Höhlen auf vier gut erhaltene römische Schwerter, die wahrscheinlich von judäischen Aufständischen in einer Felsnische versteckt worden waren. Auch Schriftrollen, eine weitere Höhle in Qumran, Münzen und hölzerne Alltagsobjekte wurden im Rahmen des Projekts gefunden.

Quelle: Israel Antiquities Authority

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