Haustiere oder religiöser Brauch? Archäologen haben in Norditalien Gräber aus der Späten Eisenzeit entdeckt, in denen Menschen zusammen mit Hunden, Pferden und anderen Tieren begraben wurden. Wie es dazu kam, ist unklar. Möglicherweise hatten die tierischen Begleiter einen persönlichen oder religiösen Wert für die Toten, vermuten die Forschenden.
In prähistorischen und frühgeschichtlichen Gräbern sind tierische Grabbeigaben keine Seltenheit. Sie finden sich in verschiedenen Kulturen und Regionen der Erde. Oft gibt es jedoch nicht genug schriftliche Quellen und archäologische Aufzeichnungen, um zu verstehen, welche kulturellen Praktiken jeweils hinter dem Beerdigungsritual stecken. Wenig bekannt ist unter anderem über frühere Gebräuche auf der italienischen Halbinsel.
Von Hühnern bis zu Pferden
Ein Forschungsteam um Zita Laffranchi von der Universität Bern hat nun in einer archäologischen Stätte in Norditalien Überreste von gemeinsam bestatteten Menschen und Tieren entdeckt – Funde, die für die Region bisher vergleichsweise selten sind. Die Gräber stammen aus dem dritten bis ersten Jahrhundert vor Christus und damit wahrscheinlich aus der keltisch-gallischen Cenomanen-Kultur der Späten Eisenzeit, wie Radiokarbondatierungen zeigten. Zu der Zeit dominierten die Römer die Gegend noch nicht, römische Einflüsse gab es aber bereits.
Insgesamt fanden die Archäologen in der Nekropole Seminario Vescovile in Verona die Skelette von 161 Personen, von denen 16 zusammen mit tierischen Überresten begraben worden waren. Einige Gräber enthielten Knochen von Schweinen, Hühnern oder Kühen, vier Gräber aber auch Überreste von Hunden und Pferden, wie Laffranchi und ihre Kollegen berichten.