Originelle Fluchttaktik: Wenn junge Japanische Aale von einem Raubfisch gefressen werden, können sie aus dessen Magen wieder entkommen. Wie sie diese Flucht bewerkstelligen, haben nun Biologen erstmals mithilfe von Röntgen-Videos mitverfolgt. Demnach wühlen sich die Aale rückwärts zurück in die Freiheit, indem sie ihre Schwanzspitze durch die Speiseröhre und weiter durch die Kiemen der Fische bohren. Erst zum Schluss folgt der Kopf der Aale.
Viele Beutetiere haben ausgeklügelte Verteidigungsstrategien, um nicht von ihren potenziellen Raubtieren gefressen zu werden. Einige Wirbellose und Fische sind sogar in der Lage, selbst nach dem Gefressenwerden noch zu entkommen, indem sie aus dem Maul oder den Atemwegen des Fressfeinds entwischen. Dazu zählen auch die Japanischen Aale (Anguilla japonica): Wenn sie von Raubfischen verschluckt werden, tauchen sie einige Momente später über deren Kiemen wieder auf, wie Biologen wiederholt beobachtet haben.
Röntgen-Kamera erlaubt detaillierte Einblicke
Doch wie gelingt den Aalen das? „Da sich die Flucht im Körper des Raubtiers abspielt, wussten wir nicht, wie sich die Aale dabei verhalten und auf welchem Weg sie entkommen“, sagt Yuha Hasegawa von der Universität Nagasaki in Japan.
Ein Team um Hasegawa hat nun einen Weg gefunden, die Fluchtroute der Aale sichtbar zu machen: Mithilfe einer Röntgen-Kamera filmten die Forschenden das Innere von Raubfischen der Art Odontobutis obscura, während diese junge Aale verschluckten, sowie deren anschließende Flucht. Um die rund sieben Zentimeter langen Aale im etwa doppelt so großen Fischkörper sichtbar zu machen, spritzen sie diesen zuvor ein Kontrastmittel. Insgesamt filmten die Biologen das Schicksal von 32 verspeisten Aalen.