Der häufigste HIV-Stamm könnte sich schon sehr viel früher verbreitet haben als bisher angenommen. Eine neue, jetzt in „Nature“ veröffentlichte Studie belegt, dass Aids schon zwischen 1884 und 1924 in den ersten urbanen Zentren Westafrikas auftrat.
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Ein internationales Wissenschaftlerteam unter Leitung von Michael Worobey von der Universität von Arizona in Tucson hat die Ausbreitung und den Ursprung des HIV-1 Gruppe M-Stamms des Aidsvirus untersucht. Für dieses vom National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) der USA geförderte Projekt analysierten die Forscher auf vier Kontinenten Gewebeproben und suchten darin nach genetischen Varianten des HIV-Virus.
Ältester Virus in Gewebeprobe aus Kinshasa
In einer in Wachs konservierten Lymphknotenprobe einer Frau in Kinshasa entdeckten die Wissenschaftler 48 Jahre alte Genfragmente des HIV-1 Gruppe M-Stamms. Diese verglichen sie mit der ältesten bisher bekannten genetischen HIV-Sequenz, die aus einer 1959 entnommenen Blutprobe eines ebenfalls in Kinshasa gestorbenen Mannes stammt. Der Vergleich spezifischer Genregionen beider Proben deutet darauf hin, dass beide mindestens 40 Jahre der Entwicklung benötigt haben müssen, um sich aus einem gemeinsamen Vorfahren zu entwickeln. Dieses Ergebnis verlegt die ersten Infektionen von Menschen mit diesem HI-Virus auf mindestens das Jahr 1900 und damit gut 30 Jahre früher als zuvor angenommen.