Ein Schlüsselfaktor bei der Entstehung von Alzheimer ist das Protein Tau. Während dieses normalerweise vor allem im langen Zellfortsatz zur Reizweiterleitung vorkommt, lässt es sich bei Alzheimer-Patienten auch im Zellkörper und seinen feinen Verästelungen der Dendriten nachweisen. Dort verklumpt es und führt schließlich zum Tod der Zelle. Max-Planck-Forscher haben nun einen neuen Mechanismus identifiziert, der für die korrekte Verteilung des Proteins in der Nervenzelle sorgt.
Die Entdeckung sei ein wichtiger Schritt, um die molekularen Ursachen der Demenzerkrankung aufzuklären, berichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „EMBO Journal“.
Tau stabilisiert das Zellskelett
Bei Morbus Alzheimer steht ein Molekül im Zentrum des Geschehens: Das Protein Tau stabilisiert in einer gesunden Nervenzelle das Zellskelett im Axon. Typisch für die Alzheimer-Krankheit ist es, dass das Protein mit zusätzlichen Phosphatgruppen bestückt ist. Die überzähligen Anhänge des so genannten phosphorylierten Proteins behindern seine Bindung an röhrenförmige Fasern des Zellskeletts, die Mikrotubuli. Daraufhin löst sich Tau von den Mikrotubuli, verklumpt und führt zur Degeneration der Nervenzelle.
Entscheidend dafür, dass Tau seine Aufgabe erfüllen kann, ist die richtige Verteilung in der Nervenzelle. Während das Protein in gesunden, ausdifferenzierten Neuronen hauptsächlich im Axon vorkommt, nicht aber im Zellkörper oder den Dendriten, findet es sich bei Alzheimer-Patienten in der gesamten Zelle, und zwar schon lange, bevor Krankheitssymptome auftreten. Dass diese Fehlverteilung eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Leidens spielt, war bereits seit Längerem bekannt. Wie Nervenzellen für die korrekte Sortierung sorgen, lag hingegen weitgehend im Dunkeln.