Tierische Arznei: Wir Menschen sind nicht die einzigen, die sich gegenseitig verarzten und Arzneien verabreichen – auch Schimpansen tun dies, wie Biologen im Gabun beobachtet haben. Dort fangen die Menschenaffen fliegende Insekten, zerdrücken sie und verreiben sie dann auf ihren Wunden. Auch Artgenossen werden auf diese Weise verarztet. Möglicherweise enthalten die Insekten antibakterielle oder entzündungshemmende Substanzen, die bei der Wundheilung helfen, so die Vermutung der Forschenden.
Schon länger ist bekannt, dass auch Tiere versuchen, sich vor Krankheiten zu schützen oder sich Linderung zu verschaffen. So verzehren beispielsweise einige Affenarten gezielt bittere, antimikrobiell wirkende Blätter von Heilpflanzen, wenn sie krank sind. Einige Nagetiere polstern ihr Nest mit solchen Blättern aus, um ihren Nachwuchs vor Parasiten zu schützen. Bei Rotstirnmakis haben Biologen sogar beobachtet, dass sie sich mit dem Saft von Tausendfüßern einreiben – möglicherweise zur Bekämpfung von Hautparasiten.
Insekt als Wundversorgung
Ein weiteres Beispiel für tierische Medizin haben nun Alessandra Mascaro vom Max-Planck-Institut für Anthropologie und ihre Kollegen im Loango Nationalpark in Gabun entdeckt. Bei der dort lebenden Gruppe von 45 Schimpansen beobachteten die Forschenden innerhalb von 15 Monaten insgesamt 22-mal, wie die Tiere Fluginsekten zur Behandlung offener Wunden einsetzten. Dies ist ein bei Menschenaffen und überhaupt bei Tieren noch nie zuvor beobachtetes Verhalten.
„Die Schimpansen fingen sich ein fliegendes Insekt aus der Luft oder von Blättern und zerdrückten es mit ihren Lippen“, berichtet Mascaro. „Das flachgedrückte Insekt platzierten sie mit den Fingern oder dem Mund auf der offenen Wunde und bewegten es dort mit den Fingerspitzen hin und her. Mit dem Mund oder den Fingern lösten die Schimpansen das Insekt dann wieder aus der Wunde und wiederholten den Vorgang des zwischen die Lippen Pressens und auf die Wunde Applizierens mehrmals.“