Auf zwei Beinen: Schon vor sieben Millionen Jahren könnten frühe Vorfahren des Menschen aufrecht gegangen sein – zumindest zeitweise. Indizien dafür liefern nun Bein- und Armknochen des Vormenschen Sahelanthropus tchadensis. Sie deuten darauf hin, dass dieser noch affenähnliche Vormensch schon auf zwei Beinen lief, aber auch noch viel Zeit kletternd und hangelnd auf Bäumen verbrachte, wie Forschende in „Nature“ berichten. Der aufrechte Gang könnte demnach eines der frühesten Merkmale der Homininen gewesen sein.
Der aufrechte Gang ist ein Schlüsselmerkmal des Menschen und war prägend für seine Evolution. Doch wann entwickelten unsere Vorfahren diese Fähigkeit? Klar scheint, dass der vor gut drei Millionen Jahren lebende Vormensch Australopithecus schon aufrecht lief – wenn auch nicht ausschließlich. Auch ältere Formen wie Ardipithecus und der vor rund sechs Millionen Jahren lebende Orrorin könnten zumindest ab und zu zweibeinig gelaufen sein.

Auf den Spuren des Sahelanthropus
Doch diese Vormenschen waren offenbar nicht die ersten: Ein Team um Guillaume Daver von der Universität von Poitiers in Frankreich präsentiert nun Indizien dafür, dass schon der Sahelanthropus tchadensis zumindest zeitweise aufrecht lief. Dieser vor sieben Millionen Jahren lebende, noch sehr affenartige Vormensch war bisher vor allem durch einen fast vollständigen Schädel bekannt, der 2001 im Tschad gefunden wurde. Zwar ist seine Einordnung als Vormensch umstritten, dennoch gilt er als möglicher Vertreter der frühen Homininen.
Erste Hinweise auf eine aufrechte Körperhaltung des Sahelanthropus lieferte bereits das Hinterhauptsloch des Fossils: Es liegt wie beim Menschen relativ weit vorne an der Schädelbasis. Bei vorwiegend vierbeinig laufenden Säugetieren ist diese Ansatzstelle der Wirbelsäule dagegen weiter hinten platziert. Doch Fossilien von Beinen oder Füßen blieb es umstritten, ob der Sahelanthropus wirklich schon aufrecht lief oder vielleicht nur viel in aufrechter Haltung kletterte und hangelte.