Komplizierte Verwandtschaftsfrage: Der Vormensch Australopithecus sediba ist vermutlich doch nicht der direkte Vorfahre aller Menschen der Gattung Homo. Zu diesem Schluss sind Forscher nun mithilfe der Statistik gekommen. Ihren Berechnungen zufolge macht bereits das Alter der bekannten Fossilien eine direkte Abstammung der ersten Homo-Frühmenschen von A. sediba mehr als unwahrscheinlich. Viel eher käme demnach ein anderer Kandidat als unser aller Urahn infrage.
War der Vormensch Australopithecus sediba ein direkter Vorfahre der ersten Vertreter der Gattung Homo? Seit der Entdeckung des Fossils in einer Höhle in Südafrika wird über diese Frage heftig gestritten. Denn einerseits sprechen einige seiner erstaunlich modernen anatomischen Merkmale durchaus für eine enge Verwandtschaft mit den ersten Frühmenschen unserer Gattung. Andererseits macht die ungewöhnliche Mischung mit urtümlichen Eigenschaften seine genaue Einordnung in den Menschenstammbaum schwierig.
Hinzu kommt eine chronologische Diskrepanz: Mit einem Alter von knapp zwei Millionen Jahren sind die einzigen bekannten A. sediba-Knochen 800.000 Jahre jünger als das älteste bekannte Homo Fossil – ein Kieferknochen aus Äthiopien. „Natürlich ist es theoretisch möglich, dass das Fossil eines Vorfahren jünger ist als das seines evolutionären Nachfahren „, erklärt Andrew Du von der University of Chicago. Die einzige Voraussetzung dafür: Die Existenz beider Arten muss sich zeitlich teilweise überschnitten haben.
Chronologie der Fossilien im Blick
Doch wie wahrscheinlich ist ein solches Muster in der fossilen Überlieferung? Genau das haben Du und sein Kollege Zeresenay Alemseged nun untersucht. „Der Ursprung von Homo ist eine der heikelsten Fragen der Paläoanthropologie und hat zu vielen Spekulationen geführt. Angesichts der wenigen Fossilfunde aus der fraglichen Zeit ist es daher wichtig, auch anderen Hinweisen nachzugehen“, betonen die Forscher.