Cannabis ist dafür bekannt, übersteigerte Esslust auszulösen – eine Gier nach Junkfood und Süßem. Doch solche Heißhungerattacken erleben nicht nur bekiffte Menschen: Auch Fadenwürmer zeigen diese „hedonistische“ Esslust, wenn man ihnen Cannabinoide verabreicht, wie Forschende in „Science“ berichten. Das Überraschende daran: Nematode und Mensch sind durch mehr als 500 Millionen Jahre Evolution voneinander getrennt. Trotzdem ist der biochemische Mechanismus noch immer der gleiche.
Cannabinoide werden nicht nur von der Hanfpflanze produziert, sondern auch in unserem Körper. Diese Botenstoffe werden beispielsweise im Darm freigesetzt und beeinflussen unseren Appetit und unser Sättigungsgefühl. Dies geschieht, indem die Endocannabinoide an bestimmten Rezeptoren im unserm Gehirn andocken. Kommen beim Kiffen oder durch den Genuss von Haschkeksen zusätzliche Cannabinoide hinzu, gerät dieses System aus dem Gleichgewicht. Dies löst Heißhungerattacken aus, bei denen vor allem die Lust auf Junkfood oder Süßigkeiten wächst.
Fadenwürmer im Cannabinoid-Rausch
Jetzt zeigt sich, dass wir nicht die einzigen sind, auf die der Cannabisgenuss so wirkt: Sogar Nematoden bekommen einen solchen Heißhunger-Fressflash. Entdeckt haben dies Shawn Lockery von der University of Oregon und seine Kollegen fast durch Zufall: „Wir haben die Nahrungsvorlieben der Fadenwürmer als Teil unserer Forschung zur neuronalen Basis der Entscheidungsfindung untersucht“, der Forscher. Zu dieser Zeit war in Oregon gerade Marihuana legalisiert worden.
„An einem Freitagnachmittag kamen wir dann auf die Idee: Lasst und einfach mal das Zeug zu den Würmern geben und schauen, was passiert“, berichtet Lockery. Das Team verabreichte den Nematoden der Art Chaenorhabditis elegans das Endocannabinoid Anadamid und ließ sie dann einen Futter-Wahltest durchführen. Dabei mussten sich die Fadenwürmer in einem T-Labyrinth zwischen einer begehrten und einer weniger beliebten Bakteriensorte als Futter entscheiden.