Evolutionäres Experiment: Nicht alle Dinosaurier setzten bei ihren ersten Flugversuchen auf gefiederte Flügel. Forscher haben das Fossil eines Dinos entdeckt, der sich mit Membranflügeln in die Lüfte erhob – so wie es heutige Fledermäuse tun. Der Fund belegt, dass die Vorfahren heutiger Vögel anfangs mit unterschiedlichen Lösungen zum Abheben experimentierten. Doch nur eine Variante setzte sich schließlich durch.
Die Pterosaurier waren die ersten Wirbeltiere, die das Fliegen beherrschten. Von der späten Trias vor 215 Millionen Jahren bis zu ihrem Aussterben am Ende der Kreidezeit dominierten diese Flugsaurier den Luftraum. Doch sie waren nicht die einzigen, die sich gen Himmel erhoben. Auch die Vorfahren der Fledertiere und Vögel eroberten irgendwann in diesem Zeitfenster die Lüfte. Wie die anfänglichen Flugversuche dieser Tiere jedoch genau aussahen, ist bislang erst in Teilen verstanden.
Ein überraschendes Puzzlestück zu diesem Rätsel lieferte vor einigen Jahren die Entdeckung eines seltsamen Dinosaurier-Fossils: Der Vertreter der eng mit den Vögeln verwandten und äußerst kleinen Scansoriopterygidae besaß zwar ein federartiges Fell. Er hatte sich zu Lebzeiten aber offenbar mit Membranflügeln in die Lüfte erhoben – eine Struktur, die von Dinosauriern bis dato völlig unbekannt war und eigentlich als typisch für Flugsaurier und Fledertiere galt.

Seltsamer Flügel
Entsprechend skeptisch reagierten einige Experten auf diese Interpretation: Besaß die Yi qi („seltsamer Flügel“) getaufte Art tatsächlich Membranflügel? Genau diese Annahme untermauert nun ein weiterer Fund: Paläontologen um Min Wang von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking haben im Nordosten Chinas das 163 Millionen Jahre alte Fossil eines Dinosauriers mit ganz ähnlichen Eigenschaften entdeckt.