Erstaunliche Reise: Eine junge Rauhautfledermaus ist weiter geflogen als man es bisher jemals bei einer Fledermaus beobachtet hat. Sie wurde im Norden Russlands beringt und dann 63 Tage später im Süden Frankreichs wiedergefunden. Das Tier hat damit mindestens 2.486 Kilometer Luftlinie zurückgelegt, wahrscheinlich sogar gut 3.000 Kilometer. Denn typischerweise folgen Fledermäuse auf ihren Wanderungen nicht der kürzesten Route, sondern den Küsten.
Neben Zugvögeln gehören auch einige Fledermausarten zu den Langstreckenziehern. Vor allem die Rauhautfledermäuse (Pipistrellus nathusii) sind dafür bekannt, dass sie im Herbst von ihren Brutquartieren in Nordosteuropa in südwestlichere Gefilde ziehen. Sie fliegen dann in oft größeren Schwärmen die Ostseeküste entlang bis nach Mittel- und Westeuropa. Damit gehören sie zu den Fledermäusen, die besonders durch Kollisionen mit Windkraftanlagen gefährdet sind.
Wie weit die Fledermäuse auf ihren saisonalen Wanderungen ziehen, ist allerdings erst teilweise bekannt. Bisher gingen Biologen davon aus, dass europäische Fledermäuse selten mehr als rund 1.000 Kilometer zurücklegen. Nur von einigen tropischen Fruchtfledermäusen waren Strecken von bis zu 2.000 Kilometern bekannt.
Von Nordwest-Russland nach Südfrankreich
Umso erstaunlicher ist die Flugleistung einer jungen Rauhautfledermaus, von der Denis Vasenkow von der russischen Akademie der Wissenschaften und seine Kollegen berichten. Sie hatten im Rahmen ihrer Studie eine junge, knapp ein Jahr alte Rauhautfledermaus beringt, die in der Vologda-Region im Nordwesten Russlands aufgewachsen war – in der Hoffnung, so herauszufinden, wo diese Fledermaus überwintern würde.