Von wegen streng getrennt: Die Arbeitsteilung unseres Gehirns ist zumindest in Bezug auf Zahlen weniger ausgeprägt als gedacht. Denn entgegen bisherigen Annahmen verarbeitet unser Denkorgan gesehen Zahlen nicht nur in der rechten Hirnhälfte, sondern in beiden. Ein kleines, beidseitig vorhandenes Areal wird immer dann aktiv, wenn wir Zahlen sehen, wie die Forscher im „Journal of Neuroscience“ berichten.
Im menschlichen Gehirn herrscht Arbeitsteilung. Während Wörter und Sprache vorrangig in der linken Hemisphäre verarbeitet werden, ist für das Zahlenverständnis überwiegend unsere rechte Gehirnhälfte zuständig – so jedenfalls dachte man bisher. Darauf deuten auch Untersuchungen mit einigen Savants hin, die über ungewöhnliche Mathematik-Fähigkeiten verfügen. Allerdings: Einfache Rechenaufgaben und Mengenlehre erledigen wir zentral – mit dem Stirnhirn.
Mareike Grotheer von der Universität Jena und ihre Kollegen haben nun ein weiteres Indiz dafür entdeckt, dass unser Gehirn bei Mathematik eine weniger strenge Arbeitsteilung der Hirnhälften hat als angenommen. Für ihre Studie zeigten die Forscher Probanden jeweils für Sekundenbruchteile Zahlen, Buchstaben sowie Abbildungen von Alltagsobjekten und zeichneten währenddessen ihre Hirnaktivität mittels funktioneller Magnetresonanz-Tomografie (fMRT) auf.
Aktivität rechts und links
Dabei zeigte sich: Entgegen vorherigen Annahmen leuchtete bei der visuellen Verarbeitung der Zahlen nicht nur ein Areal in der rechten Hirnhälfte auf, sondern in beiden. Ein kleines Areal an der Unterseite des linken und rechten Schläfenlappens reagierte bei der Präsentation von Ziffern mit erhöhter Aktivität. Buchstaben oder andere Abbildungen, aber auch verfremdete Zahlen führten dagegen zu einer deutlich geringeren Hirnaktivität in diesem Bereich.