Eine genetische Veranlagung bestimmt, wie anfällig Menschen auf das tödliche Bakteriengift Anthrax reagieren. Während sie die Zellen einiger Menschen nahezu immun gegen das Toxin macht, lässt sie andere extrem anfällig für das Toxin werden. Das haben US-amerikanische Forscher herausgefunden. Die Aktivität nur eines Gens sei dafür verantwortlich, die Giftempfindlichkeit menschlicher Zellen so dramatisch zu verändern. Man habe Unterschiede vom bis zu 30.000-Fachen festgestellt, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“.
„Unsere Tests haben eine unerwartet große Spannbreite der Gift-Empfindlichkeit innerhalb der normalen menschlichen Bevölkerung ergeben“, schreiben Mikhail Martchenko und seine Kollegen von der Stanford School of Medicine. Die dafür verantwortliche Veranlagung werde von Eltern an ihre Kinder vererbt und sei der bisher stärkste bekannte Einflussfaktor auf die Giftwirkung in menschlichen Zellen.
Protein erleichtert Bakteriengift Zugang in die Zellen
Ausschlaggebend für die dramatischen Unterschiede in der Giftanfälligkeit ist die Aktivität des sogenannten CMG2-Gens. Je häufiger dieses Gen abgelesen wird und das von ihm kodierte Protein produziert wird, desto schneller und stärker werden die Zellen durch das Bakteriengift geschädigt und sterben. Die Wissenschaftler vermuten, dass das CMG2-Protein dem Bakteriengift den Zugang in die Zellen erleichtert und so deren Ende beschleunigt.
Nach Ansicht der Forscher könnten die neuen Erkenntnisse dabei helfen, zukünftig die Anfälligkeit von Menschen oder ganzen Bevölkerungsgruppen gegenüber diesem Bakteriengift besser abzuschätzen. Möglicherweise ließen sich auch neue Mittel entwickeln, um Menschen zukünftig gegenüber diesem Gift zu schützen, meinen Martchenko und seine Kollegen.