Methusalems der Meere: Grönlandhaie sind wahrscheinlich die langlebigsten Wirbeltiere der Welt. Denn sie können mindestens 400 Jahre alt werden, wie Radiokarbondatierungen ihrer Augenkristalle ergeben. Dafür wachsen die bis zu fünf Meter langen Fische extrem langsam und werden erst mit knapp 200 Jahren geschlechtsreif, wie Forscher im Fachmagazin „Science“ berichten. Das mache den Schutz dieser noch immer kaum erforschten Hai-Art besonders wichtig.
Sie sind die geheimnisvollsten unter den Haien: Bisher ist über die im Nordatlantik lebenden Grönlandhaie (Somniosus microcephalus) kaum etwas bekannt. Weder ihre Zahl noch ihre Lebensweise sind genau erforscht, erste Filmaufnahmen dieser Haie gelangen Forschern erst im Jahr 1998. Man weiß aber immerhin, dass die Grönlandhaie nur sehr langsam wachsen: Weniger als einen Zentimeter nehmen sie pro Jahr an Länge zu – was nahelegt, dass die bis zu fünf Meter lange Haie sehr alt sein müssen.
Augenkristalle als Datierungshilfe
Doch die Lebensdauer und das Alter der Grönlandhaie zu bestimmen, ist alles andere als einfach. Bei den meisten anderen Wirbeltieren lässt sich dies über Analysen der Knochen und anderer kalkhaltiger Gewebe ermitteln. Aber das Skelett der Grönlandhaie besteht aus Knorpel – die gängigen Methoden funktionieren daher bei ihm nicht.
Julius Nielsen von der Universität Kopenhagen und seine Kollegen haben nun jedoch eine raffinierte Lösung gefunden: Sie nutzten die kristallisierten Proteine in den Augenlinsen der Fische für eine Radiokarbondatierung. „Diese Gewebe enthalten Kristalle, die kurz vor der Geburt gebildet wurden“, erklären die Forscher. Dieses einzigartige Merkmal der Augenlinse kann daher als Altersmarker dienen.