Grausiges Ritual: Siegreiche Kelten brachten aus der Schlacht oft die Köpfe ihrer Feinde mit und balsamierten diese ein – diese schaurige Überlieferung aus antiken Schriften haben Archäologen nun tatsächlich bestätigt. An einer keltischen Fundstätte entdeckte Schädelfragmente weisen demnach nicht nur Merkmale auf, die auf eine gezielte Entfernung des Gehirns hindeuten. In den Knochen finden sich auch chemische Rückstände von erhitztem Harz – einem gängigen Mumifizierungsmittel.
Die Kelten bevölkerten während der Eisenzeit ganz Europa: Die zahlreichen unterschiedlichen Stämme und Stammesverbände dieser Kultur breiteten sich von Anatolien bis nach Irland aus. Die vom griechischen Begriff „keltoi“ abstammende Bezeichnung für diese Volksgruppen lässt sich mit „die Tapferen“ oder „die Kühnen“ übersetzen. Doch so wohlwollend diese Bezeichnung auch klingen mag, die römischen und griechischen Geschichtsschreiber waren auf die Kelten gar nicht gut zu sprechen.
Sie stellen die keltischen Völker in ihren Überlieferungen häufig als Barbaren dar, die grausaume Opferriten pflegten. So sollen die Kelten unter anderem ihre in der Schlacht getöteten Feinde enthauptet und deren Köpfe einbalsamiert haben – um sie anschließend als Trophäen für jedermann sichtbar zur Schau zu stellen. Doch wie viel Wahrheit steckt in diesen Schauergeschichten? Weil die Kelten keine eigene Schrift entwickelten und daher so gut wie keine schriftlichen Aufzeichnungen hinterließen, war dies für Forscher bisher nur schwer nachzuvollziehen.
Enthauptete Opfer
Funde aus einer früheren Gallier-Siedlung in Südfrankreich bringen nun jedoch Licht ins Dunkel. Archäologen haben dort nicht nur eine keltische Statue ausgegraben, die einen siegreichen Krieger mit seinem Pferd zeigt, um dessen Hals der Kopf eines Menschen baumelt. Salma Ghezal von der Universität Avignon und ihre Kollegen haben darüber hinaus sogar einen direkten Nachweis für die von den antiken Autoren beschriebene Praxis entdeckt.