Schützende Streifen: Die helle Körperbemalung vieler Naturvölker hat einen praktischen Nebeneffekt – sie schützt gegen blutsaugende Insekten. Menschen mit hellen Streifen auf dunkler Haut werden zehnfach seltener von Bremsen und andern Stechinsekten angeflogen als unbemalte dunkelhäutige Personen, wie Experimente mit bemalten Schaufensterpuppen belegen. Vor allem in den Tropen ist dies demnach ein nützlicher Nebeneffekt der meist rituellen Bemalung.
Ob als Kriegsbemalung, ritueller Körperschmuck oder Stammeszeichen: Die Körperbemalung hat in der Menschheit eine lange Tradition. Schon frühe Vertreter des Homo sapiens und sogar die Neandertaler nutzten natürliche Pigmente wie Ocker, Lehm oder Kalk, um ihre Haut mit Streifen, Punkten und andern Mustern zu verzieren. Und auch heute noch praktizieren viele Naturvölker diese Art der Körperbemalung – meist in rituellem Kontext.
Körperbemalung zur Insektenabschreckung?
Doch könnte die Körperbemalung neben der rituellen Bedeutung vielleicht noch einen ganz praktischen Nebeneffekt haben? Die auffällige Vorliebe für Streifen bei diesen traditionellen Bemalungen brachte Gabor Horvath von der Eötvös Universität in Budapest und sein Team auf diese Idee: „Die Streifen dieser Körperbemalungen ähneln dem Fell von Zebras und Okapis“, so die Forscher. Und von Zebrastreifen ist bekannt, dass sie eine abschreckende Wirkung auf Bremsen und andere blutsaugende Insekten haben.
Könnte dies für die traditionelle Körperbemalung so vieler Volksstämme auch gelten? Um das zu testen, haben Horvath und sein Team drei Schaufensterpuppen als Testobjekte in eine von vielen Bremsen frequentierte Waldlichtung gestellt. Eine Puppe hatte helle Haut, eine zweite dunkle und die dritte war dunkelhäutig, wurde von den Forschern aber mit weißen Streifen aus einer Kalkfarbe dekoriert. Alle Puppe waren von unsichtbarem Insektenleim bedeckt. Dadurch konnten die Forscher auswerten, wie viele Stechinsekten auf den Puppen landeten.