Vögel, die für schlechte Zeiten Samen- und Nussvorräte anlegen, sollten sichergehen, dass sie beim Verstecken nicht von einer Kohlmeise beobachtet werden. Denn diese sind gewiefte Futterdiebe. Statt selbst Vorräte anzulegen, überlassen die Kohlmeisen dies lieber anderen Vögeln. Und wenn dann Not am Mann ist, zeigen sie eine erstaunliche Gedächtnisleistung: Noch 24 Stunden später erinnern sie sich an die Speisekammern der anderen und bedienen sich dort, wie schwedische Forscher berichten.
Ist der Winter lang und kalt, dann kann es für Vögel schon mal eng werden, wenn es darum geht, genügend Futter zu finden. Viele Vogelarten legen deshalb für schlechte Zeiten Vorräte an. Doch was tun Vögel, wie etwa die Kohlmeise, die nicht zu den Futter-Sammlern gehören, um diese Zeiten zu überbrücken? Dieser Frage haben sich Anders Brodin und Utku Urhan von der Universität in Lund angenommen und Erstaunliches beobachtet.
Die fleißigen Sammler im Blick
In einem eigens für Vogelexperimente gestalteten Speziallabor ließen die Wissenschaftler Sumpfmeisen Sonnenblumenkerne sammeln und verstecken. Im gleichen Raum saßen saßen Kohlmeisen in Käfigen und konnten den Sumpfmeisen ungestört dabei zusehen. Eine bis 24 Stunden später durften sie sich dann auf die Suche nach den Vorräten machen. Die Forscher beobachteten, dass die Kohlmeisen sehr erfolgreich darin waren, die Fremdlager aufzustöbern und zu plündern. Auch nach 24 Stunden konnten sie sich noch sehr gut erinnern, wo sie die begehrten Sonnenblumenkerne finden.
Nach Ansicht der Forscher belegt dies, dass Kohlmeisen erhebliche kognitive Fähigkeiten besitzen: Dieser Vogel ist in der Lage, aus Beobachtungen zu lernen. Ein derartiger Futterdiebstahl konnte bislang nur bei einigen Rabenvögeln, wie dem mexikanischen Eichelhäher und dem Kiefernhäher beobachtet werden. Eichelhäher und Kiefernhäher legen allerdings auch selbst Depots mit Nahrung an. Sie sind also geübt darin, sich den Ort ihrer Lager einzuprägen und können diese Gedächtnisleistung auf fremde Vorratskammern übertragen.