Jahrzehntelang glaubte man, dass Unterschiede im Hören auf beiden Ohren durch eine ungleiche Verarbeitung von akustischen Reizen in den beiden Hirnhälften zurückzuführen sind. Jetzt haben amerikanische Forscher diese wissenschaftliche Annahme widerlegt. Wie sie in einer Veröffentlichung in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Science berichten, liegt der Ursprung der rechts-links-Unterschiede bereits im Ohr selbst. Die neuen Erkenntnisse könnten weit reichende Auswirkungen auf die Rehabilitation von Menschen mit ein- oder beidseitiger Schwerhörigkeit haben.
{1l}
Arbeitsteilung im Gehirn
Wissenschaftler wissen seit längerem, dass die Hörzentren beider Gehirnhälften akustische Reize unterschiedlich verarbeiten. Die linke Seite dominiert in der Dekodierung von Sprache und anderen schnell wechselnden Signalen, die rechte Seite dagegen führt in der Verarbeitung von Tönen und Musik. Da das neurale Netzwerk des Gehirn sozusagen seitenverkehrt angelegt ist, kontrolliert die linke Gehirnhälfte die rechte Körperseite und damit auch das rechte Ohr und umgekehrt.
Vorherige Forschungen gingen davon aus, dass es bestimmte strukturelle und zelluläre Eigenschaften im Gehirn sind, die die Unterschiede zwischen der Lautverarbeitung in den Hemisphären verursachen. Doch Siningers Ergebnisse deuten nun darauf hin, dass die Differenzen ihren Ursprung im Ohr haben. „Wir haben immer angenommen, dass unsere linken und rechten Ohren genau gleich arbeiten“, erklärt die Forscherin, „Als Folge neigten wir dazu anzunehmen, dass es nicht wichtig ist, welches Ohr bei einer Person mangelhaft arbeitet. Jetzt sehen wir, dass es sehr wohl grundlegende Auswirkungen auf das Sprechen und die Sprachentwicklung eines Individuum haben kann.“