Die Halluzinationen auslösende Droge LSD könnte möglicherweise eine Renaissance erleben – als Therapiehilfe gegen Alkoholismus. Denn der LSD-Wirkstoff Lysergsäurediethylamid erleichtert es Alkoholabhängigen offenbar, trocken zu werden und zu bleiben. Das schließen Forscher aus einer systematischen Auswertung von Studien aus den 1960er und 70er Jahren. Der suchthemmende Effekt schon einer einzigen LSD-Dosis habe damals bis zu ein Jahr lang angehalten. Mehr als die Hälfte der Probanden sei trocken geblieben oder habe maximal einen einmaligen Rückfall erlebt, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin „Journal of Psychopharmacology“.
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„Angesichts dieser Belege für einen positiven Effekt des LSDs auf den Alkoholismus ist es verwunderlich, dass dieser Behandlungsansatz größtenteils in Vergessenheit geraten ist“, sagt Pål-Ørjan Johansen, einer der beiden Autoren von der Norwegischen Universität für Wissenschaft und Technik (NTNU) in Trondheim. Denn heute wisse man, dass LSD nicht süchtig mache und bei richtiger Dosierung auch keine gesundheitlichen Schäden hinterlasse. Negative psychische Folgen wie die berüchtigten Horrortrips oder bleibende Psychosen seien bei den damaligen Studien nicht aufgetreten.
Nach Ansicht der Wissenschaftler lohnt es sich durchaus, den vor rund 50 Jahren getesteten Therapie-Ansatz heute weiter zu erforschen. In entsprechender Dosierung könnten LSD, aber auch andere psychoaktive Mittel Alkoholikern den Entzug und den Kampf gegen die Sucht erleichtern.