Stammbaum neu geordnet: Lange war unklar, wie die verschiedenen Untergruppen der Spinnenverwandten zusammenhängen. Jetzt bestätigt eine Genstudie, dass Zecken und Milben eine gemeinsame Stammeslinie bilden – sie sind damit die artenreichste Gruppe innerhalb der Cheliceraten. Der neue Stammbaum enthüllt aber auch, dass alle Spinnentiere auf ein einziges Ereignis zurückgehen – den Landgang des ersten Cheliceraten.
Ob Spinne, Skorpion, Milbe, Zecke, Asselspinne oder Pfeilschwanzkrebs – sie alle gehören zu den Cheliceraten, den Kieferklauenträgern. Sie bilden nach den Insekten die zweitgrößte Gruppe der Arthropoden und eine der ältesten: Schon vor 530 Millionen Jahren lebten erste Vertreter der Spinnentiere im Urzeitmeer. Im Laufe der Evolution haben die Cheliceraten eine enorme Vielfalt an Formen und Lebensweisen ausgebildet und besiedeln heute fast alle Lebensräume.
Verknäulte Stammeslinien
Doch eine Frage blieb bisher offen: wie die verschiedenen Cheliceratengruppen miteinander zusammenhängen. Denn anatomische und molekulare Stammbaum-Rekonstruktionen kamen bisher bei einigen Gruppen zu widersprüchlichen Ergebnissen. So galten die meeresbewohnenden Pfeilschwanzkrebse entweder als sehr urtümliche, eigene Gruppe oder aber als Angehörige der Spinnentiere (Arachnida), die erst nachträglich wieder zum Wasserleben zurückgekehrt sind.
Auch ob Milben und Zecken eine monophyletische Gruppe bilden, blieb umstritten. „Wegen ihrer anatomischen Ähnlichkeiten hat man zwar schon länger vermutet, dass Milben und Zecken eine Stammesgruppe bilden“, erklärt Greg Edgecombe vom Natural History Museum London. „Aber nicht alle Anatomen stimmten dem zu und genetische Studien haben bislang keinerlei Basis für diese Annahme geliefert.“