Wissenschaftler haben eine mathematische Formel entwickelt, mit der sie genau vorhersagen können, wie und wann sich Nervenzellen unseres Gehirns synchronisieren. Demnach sind sowohl die Feuerrate der Einzelzellen als auch der Anteil der von mehreren Nachbarzellen gemeinsam empfandenen Signale entscheidend. Die Ergebnisse sind jetzt in der Fachzeitschrift „Physical Review Letters“ erschienen.
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Jede Nervenzelle in der Hirnrinde erhält Informationen von etwa 30.000 anderen kortikalen Neuronen und sendet als Antwort darauf einzelne neuronale Impulse. Die Aktivität der Milliarden von Nervenzellen muss genau abgestimmt – korreliert – sein, denn nur so kann das Gehirn so erstaunliche Leistungen vollbringen, wie Musik hören oder einen Text lesen. Trotz der zentralen Bedeutung neuronaler Korrelation war bisher jedoch nicht klar, wie und unter welchen Bedingungen sie zustande kommt. In einigen Fällen scheint die Feuerrate ausschlaggebend zu sein, in anderen Fällen das exakte Timing eines neuronalen Impulses relativ zu anderen Signalen.
Zumindest theoretisch könnte man sich vorstellen, dass es zwischen Eingangssignalen und neuronaler Antwort einen einfachen Zusammenhang gibt: Teilen sich zwei Neurone ein Zehntel der Eingangssignale, so sind auch ein Zehntel ihrer Antwortsignale gleich. Aber so einfach rechnen Neurone nicht. Die vielfältigen elektrischen Eingangssignale, die ein Neuron erhält, führen zu Fluktuationen in der Spannung über ihrer Membran. Sobald die Membranspannung einen Schwellenwert erreicht, sendet das Neuron selbst ein Signal aus.