Auf die Gehirnwellen kommt es an: Wie gut jemand lernt, hängt auch von den Oszillationen der Hirnströme ab – und diese lassen sich trainieren, wie nun ein Experiment belegt. Dafür lernten Probanden zunächst, mittels Neurofeedback die sogenannten Alpha-Wellen ihres Gehirns zu fördern. Dann absolvierten sie eine Lernaufgabe für ihren Tastsinn – und lernten dabei deutlich besser und schneller als Probanden ohne dieses Training.
Unser Gehirn muss ständig gewaltige Mengen an Eindrücken und Reizen verarbeiten. Komplexe Filtersysteme sorgen jedoch dafür, dass die Verarbeitungsressourcen auf die wichtigen Informationen beschränkt bleiben – sonst droht Überlastung. Schon länger ist bekannt, dass die sogenannten Alpha-Oszillationen für diese Unterdrückung irrelevanter Informationen wichtig sind. Diese im Rhythmus von acht bis 13 Hertz schwingenden Hirnströme wirken sozusagen als „Torwächter“ in der Informationsflut.
Das Spannende daran: Studien haben gezeigt, dass ein erhöhter Anteil dieser Alpha-Wellen die Aufmerksamkeit fördert und auch das Abschneiden bei kognitiven Aufgaben. Unklar blieb aber bisher, ob sich diese Oszillationen der Hirnströme auch direkt auf die Lernfähigkeit auswirken. Das haben Marion Brickwedde und ihre Kollegen von der Ruhr-Universität Bochum nun in einem Experiment untersucht.
Alpha-Wellen im Neurofeedback
Im Versuch lernten die 76 Probanden zunächst, den Anteil ihrer Alpha-Wellen durch Neurofeedback zu beeinflussen. Bei den Farbmuster auf einem Bildschirm gaben ihnen dabei in Echtzeit Rückmeldung über die Hirnströme im somatosensorischen Cortex – dem Hirnteil, der Sinneneindrücke verarbeitet. „So konnten die Teilnehmer lernen, durch welche Gedanken oder Gefühle sie eine Verstärkung oder Verringerung von Alpha-Oszillationen hervorrufen können“, erklärt Brickwedde.