Fatale Vergiftung: Die Belastung mit dem Umweltgift PCB könnte Orcas in vielen Teilen der Welt zum Verhängnis werden. Wie eine aktuelle Studie zeigt, leidet mehr als die Hälfte der globalen Populationen merklich unter den Folgen dieses toxischen Erbes – besonders gefährdet sind zum Beispiel Killerwale in Japan, Brasilien und Europa. Diesen Populationen könnte schon in wenigen Jahrzehnten der totale Kollaps drohen, warnen die Forscher im Fachmagazin „Science“.
Polychlorierte Biphenyle (PCB) gehören zum „Dreckigen Dutzend“ der hochgiftigen und krebserregenden Umweltgifte. Der Einsatz dieser organischen Chlorverbindungen wurde 2001 weltweit verboten – in den USA und Europa werden die Schadstoffe sogar bereits seit den 1980er Jahren kaum mehr verwendet. Weil Polychlorierte Biphenyle kaum abbaubar sind und sich in der Nahrungskette anreichern, lassen sie sich jedoch bis heute in Böden, in Gletschereis und auch im Körper zahlreicher Lebewesen nachweisen – allen voran in Meeressäugern.
Besonders belastet sind dabei Killerwale. Der Grund: Orcas stehen als Spitzenjäger der Meere am oberen Ende der Nahrungskette, weshalb sich das Gift bei ihnen in großen Mengen anreichert. Außerdem geben weibliche Tiere die Belastung über die Muttermilch an ihren Nachwuchs weiter. Forscher haben im Blubber von Killerwalen schon früher vereinzelt PCB-Konzentrationen von 1.300 Milligramm pro Kilogramm Fettgewebe nachgewiesen. Bereits ab einer Belastung zwischen 40 und 50 Milligramm drohen den Tieren Infekte, Immunstörungen und Unfruchtbarkeit.
Belastete Meeressäuger
Wie sehr aber gefährden die Umweltgifte die globalen Populationen dieser Meeressäuger wirklich? Dieser drängenden Frage haben sich nun Jean-Pierre Desforges von der Universität Aarhus und seine Kollegen gewidmet. Dazu sammelten die Wissenschaftler zunächst Daten zur Belastung der Wale – insgesamt standen ihnen Blubber-PCB-Konzentrationen von 351 Orcas aus unterschiedlichen Teilen der Welt zur Verfügung.