Skrupellos und dominant: Ein Hang zu psychopathischem Verhalten ist bei Topmanagern keine Seltenheit – und kann ihnen bei der Karriere durchaus helfen, wie eine Metastudie nun bestätigt. Allerdings: Dieser Vorteil gilt nur, solange die psychopathischen Tendenzen gemäßigt bleiben und auch nur für Männer. Frauen dagegen werden für einen Mangel an Empathie und einen zu aggressiven Führungsstil eher abgestraft.
Ob Enron, Lehman Brothers oder VW: Skandale wie diese enthüllen, dass gerade Topmanager und Führungskräfte von Unternehmen häufig skrupellos, amoralisch und ohne Rücksicht auf andere oder die Folgen ihres Handelns zu agieren scheinen. Damit jedoch zeigen sie Persönlichkeitsmerkmale, wie sie auch Menschen mit psychopathischen Tendenzen zugeschrieben werden. Das weckt die Frage, ob ein gewisser Hang zum Psychopathentum möglicherweise sogar eine Karriere als Topmanager begünstigt.
Hilft bei der Karriere
Sitzen in unseren Chefsesseln vornehmlich versteckte Psychopathen? Um das zu überprüfen, haben Karen Landay von der University of Alabama und ihre Kollegen 92 Studien zu psychopathischen Tendenzen bei Führungskräften ausgewertet. Für ihre Metastudie untersuchten sie, ob Menschen mit solchen Persönlichkeitsmerkmalen besonders häufig in solchen Positionen zu finden sind und wie effektiv sie als Chef eingestuft werden.
Und tatsächlich: „Unsere Resultate zeigen eine schwach positive Korrelation für psychopathische Tendenzen bei Führungskräften“, berichten die Forscher. Demnach haben Menschen mit einer leicht psychopathischen Persönlichkeit etwas größere Chancen, in die Führungsebene aufzusteigen. Kein Wunder: Aggressive Verhandlungstaktiken, das „Gehen über Leichen“ und ein wenig empathischer Führungsstil gelten in der Kultur vieler Branchen noch immer als Erfolgsmerkmale.