Rekord im Erbgut: Lerchen besitzen die größten Geschlechtschromosomen aller Vögel. Wie Forscher herausgefunden haben, sind diese DNA-Pakete bei der Feldlerche und der Rasolerche rund 195 Millionen Basenpaare lang. Sie enthalten damit gut 16 Prozent des gesamten Erbguts dieser Vögel. Entstanden sind diese Riesenchromosomen im Laufe der Evolution wohl durch die schrittweise Fusion mehrerer Einzel-Chromosomen.
Normalerweise liegt die DNA lose verknäuelt im Zellkern vor. Doch vor jeder Zellteilung wird das Erbgut fein säuberlich in kompakte Pakete verpackt: Es entsteht die typische Chromosomenform. Beim Menschen sind diese DNA-Verpackungen im Durchschnitt etwa 140 Millionen Basenpaare (Mbp) lang – Chromosom 1 enthält als größtes menschliches Chromosom 249 davon, unser kürzestes Chromosom ist weniger als ein Fünftel so lang.
In manchen Krebszellen kann sich das Erbgut so grotesk verändern, dass wahre Monster-Chromosomen entstehen. Diese enthalten mitunter sogar bis zu 600 Millionen Basenpaare. Doch nicht jedes übergroße Chromosom ist krankhaft: Von Insekten sind sogenannte Riesenchromosome bekannt, die durch mehrmalige Verdopplung der DNA ohne anschließende Kernteilung entstehen.
195,3 Millionen Basenpaare
Nicht ganz so überdimensioniert, aber doch rekordverdächtig sind die Chromosomen, die Hanna Sigeman von der Universität Lund und ihre Kollegen nun bei Lerchen entdeckt haben. Die Mitglieder dieser Singvogel-Familie sind für ihre ungewöhnlich großen Geschlechtschromosomen bekannt. Doch welche Art hat das größte? Um dies herauszufinden, verglichen die Forscher die Genome von Lerchen (Alaudidae) und den eng mit ihnen verwandten Bartmeisen (Panuridae).