Gefährliche Kontamination: Deutsche Gewässer sind vielerorts mit Antibiotika-resistenten Bakterien belastet. Das enthüllt eine exemplarische Untersuchung in Niedersachsen im Auftrag des NDR. Demnach sind Flüsse, Bäche und auch Badeseen voll mit multiresistenten Erregern. Besonders alarmierend dabei: Manche dieser Keime sind sogar gegen wichtige Reservemedikamente wie das Notfall-Antibiotikum Colistin immun.
Antibiotika-Resistenzen gelten inzwischen als eine der größten Gesundheitsgefahren weltweit – und das Problem greift immer weiter um sich. Viele Bakterien, darunter der Krankenhauskeim MRSA, sind bereits gegen mehrere Medikamentenklassen immun. Allein in Europa infizieren sich jährlich mehr als 2,5 Millionen Menschen mit solchen multiresistenten Erregern – viele Tausende sterben daran.
Die resistenten Keime breiten sich zunehmend auch in der Umwelt aus: Sie gelangen zum Beispiel über Gülle und Fischfutter aus der Tierhaltung in Böden und Gewässer – auch in Deutschland. Doch wie stark sind die Gewässer hierzulande wirklich belastet? Eine Untersuchung im Auftrag des NDR liefert nun erschreckende Hinweise darauf.
Nachweis in allen Proben
Für seine Recherche hat der Rundfunksender Wasser- und Sedimentproben aus zwölf verschiedenen Orten in Niedersachsen analysieren lassen – darunter Bäche, Flüsse und zwei Badeseen. Das Ergebnis: In sämtlichen Proben wiesen die Wissenschaftler multiresistente Erreger nach. Sogar an Stellen, an denen aufbereitetes Wasser gerade frisch aus der Kläranlage kommt, ist die Belastung demnach teils hoch – etwa in dem Fluss Hase, kurz hinter dem Ausfluss des kommunalen Klärwerks von Osnabrück.