Schach als Messlatte: Forscher haben mithilfe von Schachpartien untersucht, in welchem Alter wir Menschen die höchsten geistigen Leistungen vollbringen und welche Unterschiede es zwischen den Generationen gibt. Demnach nimmt die kognitive Leistung bis etwa zum 35. Lebensjahr zu und fällt ab dem 45. Lebensjahr langsam wieder ab. Über Generationen hinweg hat die Leistungsstärke zugenommen, wie die Wissenschaftler ermittelten.
Als Maß der Intelligenz gilt üblicherweise der Intelligenzquotient (IQ). Berechnet wird dieser auf Basis von IQ-Tests, die verschiedene kognitive Fähigkeiten abfragen. Studien zufolge steigt der durchschnittliche IQ seit 100 Jahren an – was aber nicht unbedingt bedeuten muss, dass die Menschen tatsächlich schlauer geworden sind. Einen Einfluss auf den ermittelten Wert hat offenbar unter anderem die Schulbildung. Außerdem hat sich gezeigt, dass der IQ im Laufe der Pubertät stark schwankt.
IQ-Tests sind allerdings umstritten, da sie nur einzelne Fähigkeiten abfragen, die oft wenig mit dem Alltagsleben der Probanden zu tun haben. Außerdem finden die Erhebungen meist nicht zu wiederholten Zeitpunkten im Leben statt, sodass es schwierig ist, daraus abzuleiten, wie sich die kognitive Leistungsfähigkeit mit zunehmendem Alter entwickelt.
Schachpartien seit 1890 analysiert
Um die Intelligenz verschiedener Generation unabhängig von IQ-Tests zu untersuchen, haben sich Forscher um Anthony Strittmatter vom Institut Polytechnique Paris für einen anderen Ansatz entschieden: „In unserem empirischen Modell greifen wir auf Daten aus dem professionellen Schachspiel zurück, das paradigmatisch für Kopfarbeit ist“, erklärt Strittmatters Kollege Uwe Sundern von der Ludwig-Maximilians-Universität München. Dabei nutzten sie Datenbanken, in denen sämtliche Turniere der Schachweltmeister aus 125 Jahren gespeichert sind.