Mithilfe von Stammzellen hat ein internationales Wissenschaftlerteam Zellen entwickelt, die schwerhörigen Wüstenmäusen wieder zum Hören verhalfen. Dabei konzentrierten sich die Forscher auf sensorische Haarzellen im Innenohr. Denn Gehörlosigkeit wird oftmals durch das Absterben dieses Gewebes ausgelöst. Um es nachzubilden, ahmten die Wissenschaftler jene Signale in Stammzellen nach, die in der embryonalen Entwicklung von Ohrzellen vorzufinden sind. Dadurch bildeten sich Vorläufer der sensorischen Haarzellen und damit verbundener Nervenzellen. Als sie diese Vorläufer in das Ohr von schwerhörigen Wüstenmäusen einpflanzten, gewannen die Tiere ihr Hörvermögen wieder zurück, berichten die Forscher im Fachmagazin „Nature“. Eine ähnliche Wirkung würde heute bei Menschen bereits durch künstliche Hörprothesen erzielt. Die Forscher betonen jedoch, dass die Stammzellentherapie einer breiteren Masse an Schwerhörigen Patienten helfen könnte.
{1l}
Wenn Schallwellen durch die feinen Härchen im Ohr nicht mehr registriert werden, wird der Mensch schwerhörig oder gar taub. Durch Hörprothesen, kann der Verlust dieser sensorischen Haarzellen heute bereits teilweise ausgeglichen werden. Anstatt über die Haarzellen werden dabei die Schallwellen elektronisch an den Hörnerv weitergegeben. Dazu müsse jedoch der Hörnerv noch intakt sein, erklären Wei Chen von der University of Sheffield und seine Kollegen. In jenen Fällen, in denen dies nicht der Fall sei, könnte die Stammzellentherapie ansetzen. Denn Mithilfe dieser Zellen sei es möglich nicht nur die Haarzellen zu ersetzen, sondern auch die daran angebundenen Nervenzellen zu erneuern.
Um diese Therapiemöglichkeit genauer zu überprüfen, hatten die Wissenschaftler in einer früheren Studie bereits teilweise ausdifferenzierte Hörstammzellen aus dem menschlichen Fötus isoliert. Diese Zellen hatten zwar die Fähigkeit, sich in Haarzellen sowie Nervenzellen des Hörorgans weiterzuentwickeln. Es zeigte sich jedoch, dass ihre Fähigkeit sich zu vermehren, begrenzt ist, berichten die Forscher. Sie schafften nur etwa 25 Replikations-Zyklen. Da dies also nicht die Lösung für eine verlässliche, stets erneuerbar Quelle an Hörstammzellen war, versuchten die Wissenschaftler es mit embryonalen Stammzellen. Das sind Zellen, die sich noch in jede Art von Gewebe ausdifferenzieren können, seien es Nerven- Haar- oder Muskelzellen.