Doch kein Kinderkram: Wissenschaftler haben entdeckt, dass rund jede dritte Synapse in der Hirnrinde von erwachsenen Mäusen inaktiv ist – und möglicherweise auch bei uns. Bisher dachte man, dass solche stillen Synapsen nur in der frühen Entwicklung vorkommen und Babys dabei helfen, die Informationsflut der ersten Monate zu verarbeiten. Dass stille Synapsen anders als vermutet auch im Erwachsenenalter noch bestehen, könnte erklären, wie wir auch in dieser Lebensphase noch neue Erinnerungen bilden, ohne alte dabei zu überschreiben.
Unsere Gehirnzellen sind über Synapsen miteinander verbunden. Über diese Kontaktstellen können die Zellen Informationen austauschen. Dieser Austausch wird vor allem dann wichtig, wenn wir etwas Neues lernen wollen. Vereinfacht gesagt: Speichert unser Gehirn eine neue Information ab, verstärkt sich die Kommunikation zwischen den Synapsen. Besonders gut geht das bei sogenannten stillen beziehungsweise inaktiven Synapsen. Diese „unbeschriebenen Blätter“ des Gehirns sind besonders gut zum Lernen geeignet, da sie noch form- und veränderbar sind.
Bisher ging man deshalb davon aus, dass stille Synapsen nur in der frühen Entwicklung vorkommen, in einer Zeit also, in der Babys riesige Mengen an Informationen aufnehmen und ihre Umwelt kennenlernen müssen. Laut gängiger Meinung verschwinden die stillen Synapsen nach dieser intensiven Lernphase und kommen im erwachsenen Gehirn so gut wie nicht mehr vor.
Spektakulärer Zufallsfund
Doch diese Annahme muss revidiert werden, wie Forschende um Dimitra Vardalaki vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) nun herausgefunden haben. Eigentlich erforschte das Team gerade die Synapsen von Dendriten, antennenartigen Fortsätzen der Nervenzellen, als es quasi nebenbei eine unerwartete Entdeckung machte. Der Zufallsfund gelang nur, weil Vardalaki und Kollegen mit hochauflösender Bildgebung arbeiteten, die ihre Gewebeproben von erwachsenen Mäusegehirnen stark vergrößerte.