Wer angeln will, braucht den richtigen Köder. Diese Regel gilt offenbar auch für die Lebewesen der Tiefsee. Wissenschaftler haben jetzt eine Quallenverwandte entdeckt, die Fische mithilfe von rotleuchtenden Tentakeln anlockt. Dies ist der erste Fall einer als Köder eingesetzten Biolumineszenz bei Wirbellosen, wie die Forscher in der Zeitschrift Science berichten.
Rund 90 Prozent aller Tiefeseebewohner, so schätzen Forscher, nutzen die Biolumineszenz, sie leuchten. In vielen Fällen allerdings ist nicht bekannt, welchen Nutzen die Tiere daraus ziehen. Einige Quallenarten setzen das Leuchten als Verteidigung ein – sie strahlen, wenn sie gestört werden und beleuchten damit ihre Angreifer, die so zur leichten Beute für andere Räuber werden. Einige Tiefseefische besitzen zwar leuchtende Anhänge, die die wie Köder aussehen, bisher konnten Wissenschaftler aber noch nicht beobachten, dass sie diese tatsächlich zu diesem Zweck einsetzen.
Siphonophoren: Fragile Kettenkolonien
Wissenschaftler um Steven Haddock vom Monterey Bay Aquarium Research Institute (MBARI) untersuchen bereits seit Jahren leuchtende Siphonophoren, nahe Verwandte der auch bei uns heimischen Quallen. Im Gegensatz zu diesen bilden die Einzeltiere dieser Kolonien hierbei keine runden Kappen sondern bis zu Dutzende Meter lange Ketten. Nahezu alle Siphonophoren sind biolumineszent, aber wozu ist bislang kaum bekannt – unter anderem, weil die sehr empfindlichen Ketten schon bei leisester Störung auseinander brechen.
Haddock nutzte für seine Untersuchungen daher den ferngesteuerten Tauchroboter des Meeresforschungsinstituts, um die Siphonophoren in ihrem natürlichen Lebensraum, Tausende von Metern unter der Meeressoberfläche, ungestört beobachten zu können. Dabei entdeckte er im Verdauungstrakt einer Siphonophore der Gattung Erenna kleine Fische und ging der Frage nach, wie das Tier in der unwirtlichen Tiefe von 1.600 bis 2.300 Metern ausreichend Nahrungsfische fangen kann.