Sensibler Lichtsinn: Unsere innere Uhr reagiert sensibler auf abendliches Licht als bisher gedacht – und weit individueller, wie ein Experiment nun enthüllt. Demnach reicht bei einigen Menschen schon sehr schwaches Licht von wenigen Lux aus, um die abendliche Produktion des Schlafhormons Melatonin zu verzögern. Andere reagieren dagegen erst auf fast taghelles Licht. Das könnte erklären, warum einige Menschen besonders häufig unter Schlafproblemen leiden.
Unsere innere Uhr wird durch das Tageslicht geeicht: Wenn es abends dunkel wird, schüttet der Körper das Schlafhormon Melatonin aus. Als Folge werden wir müde und der Stoffwechsel fährt langsam herunter. Doch wo unsere Vorfahren noch einen natürlichen Tagesrhythmus erlebten, sorgen heute künstliches Licht, Schichtarbeit oder Jetlag für Störeinflüsse. Die Folge können Schlafprobleme, Depressionen, aber auch eine beeinträchtigte DNA-Reparatur und ein erhöhtes Krebsrisiko sein.
Abendlicht im Test
Doch wie viel abendliches Kunstlicht ist zu viel? Bisher gab es dazu wenige Daten, klar schien aber, dass schon Lichtstärken von weniger als 100 Lux zu einer Verzögerung der abendlichen Melatonin-Ausschüttung führen können. Wo jedoch die Untergrenze liegt und wie groß die individuelle n Unterschiede dabei sind, blieb unklar. Deshalb sind nun Andrew Phillips und seine Kollegen von der Monash University in Melbourne dieser Frage nachgegangen.
Für ihr Experiment setzten die Forscher 27 Männer und 29 Frauen sechs Wochen lang einem speziellen Lichtregime aus. Eine Woche lang verbrachten alle Probanden die vier Stunden vor ihrer üblichen Schlafenszeit bei weniger als einem Lux – extrem schwachem Dämmerlicht. Über Speichelproben ermittelten die Wissenschaftler in dieser Zeit den natürlichen Zeitpunkt der abendlichen Melatonin-Ausschüttung.