Durch dichtes Dickicht aufgehalten: Undurchdringlicher Urwald war offenbar schuld daran, dass der Homo sapiens auf seiner Wanderung nach Europa zunächst im heutigen Israel gestoppt wurde. Das legen nun Analysen von Pollen aus Meeressedimenten nahe. Demnach mied der moderne Mensch den Wald, weil er dort weniger gut auf die Jagd gehen konnte als in weiter südlich gelegenen Steppenlandschaften. Erst als sich das Klima vor rund 50.000 Jahren änderte, setzte er seine Wanderung fort.
Die Wiege der Menschheit stand in Afrika. Vor rund 200.000 Jahren bildete sich dort der Homo sapiens heraus und verbreitete sich anschließend über die ganze Erde. Seine Hauptzugroute verlief nach Norden über die sogenannte Levante, dem östlichen Küstenstreifen und Hinterland des Mittelmeers. Im nördlichen Teil verzweigte sich die Wanderung nach Asien und nach Europa.
Doch der Vormarsch des Homo sapiens auf den europäischen Kontinent geriet zunächst ins Stocken: „Im Gebiet des heutigen nördlichen Israels gab es eine Art Flaschenhals“, berichtet Thomas Litt von der Universität Bonn. Vor rund 100.000 Jahren stoppte an diesem Engpass entlang des Jordangrabens die Weiterwanderung des modernen Menschen, wie archäologische Funde dokumentieren. Einige Experten glauben, dass eine Klimaverschlechterung mit zunehmender Trockenheit dafür verantwortlich gewesen sein könnte.
Urwald statt Wüste
Litt und seine Kollegen kommen nach umfangreichen Bohrungen im Toten Meer nun jedoch zu einem ganz anderen Schluss. Die Wissenschaftler stießen insgesamt 455 Meter tief in die Sedimente am Meeresgrund vor und entdeckten dabei verräterische Pflanzenpollen. Die Analyse diesestausende Jahre alten Blütenstaubs erlaubte schließlich Rückschlüsse auf das Klima der Region.