Chemische Zeitreise: Vor mehr als 90.000 Jahren produzierten Bakterien eine heute unbekannte Klasse von Biomolekülen, wie urzeitliche DNA-Reste belegen. Jetzt ist es Forschenden gelungen, die genetische Bauanleitung dieser „Paläofurane“ zu rekonstruieren und die Urzeit-Moleküle von modernen Bakterien nachbauen zu lassen, wie sie in „Science“ berichten. Dieses „Wiedererwecken“ prähistorischer Enzyme und anderer Biomoleküle eröffnet die Chance, neue Wirkstoffe zu entdecken, aber gibt auch Einblick in die chemische Evolution.
Im Laufe der Erdgeschichte hat die Natur nicht nur unzählige verschiedene Lebensformen hervorgebracht – auch die von den lebenden Zellen produzierten Enzyme und Stoffwechselprodukte haben sich verändert und vervielfacht. Während diese prähistorischen Biomoleküle meist nicht mehr nachweisbar sind, bleiben ihre Bauanleitungen in Form von DNA manchmal erhalten: Einige kann man über Genomvergleiche heute lebender Organismen rekonstruieren, andere sind in fossilen DNA-Fragmenten erhalten.

„Wenn man die in solchen biosynthetischen Genclustern kodierten und von urzeitlichen Mikroorganismen produzierten Naturprodukte entschlüsselt, dann kann dies Einblick in vergangene mikrobielle Lebensweisen geben und enthüllt die zuvor verborgene chemische, strukturelle und funktionelle Vielfalt“, erklären Martin Klapper vom Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie in Jena und seine Kollegen.
DNA-Fahndung in fossilem Zahnstein
Eine solche Rekonstruktion ist allerdings schwierig, weil die genetischen Bauanleitungen dieser Urzeit-Moleküle oft stark degradiert und in viele winzige Stücke zerfallen sind. Doch Klapper und seinem Team ist es nun gelungen, urzeitliche Gene aus bis zu 90.000 Jahre alten Fragmenten zu rekonstruieren – und die in diesen Genen kodierten Moleküle herzustellen. Das Material dafür lieferte der 40.000 bis 100.000 Jahre alte Zahnstein von Neandertalern sowie von bis zu 40.000 Jahre alten anatomisch modernen Menschen.