Viel Bewegung, weniger Appetit: Sport verbrennt nicht nur Kalorien, sondern zügelt auch unseren Hunger. Forscher haben nun im Hirn von Mäusen eine mögliche Ursache dafür entdeckt: Im Hypothalamus befinden sich Appetit unterdrückende Neuronen, die einen hitzeempfindlichen Rezeptor besitzen. Steigt die Körpertemperatur durch Bewegung an, fangen diese Neuronen an zu feuern. Als Folge nahmen die Nager deutlich weniger Futter zu sich, wie das Team berichtet.
Wenn wir intensiv Sport treiben, produzieren unsere Muskeln Wärme und unsere Körpertemperatur steigt – wir schwitzen. Das ist nichts Neues. Vielen Sportlern fällt aber noch etwas auf: Direkt nach dem Workout haben sie weniger Hunger als sonst. Das Prinzip ist gut bekannt, seine physiologischen Ursachen jedoch nicht. Eine heißer Kandidat für den Appetitverlust ist der Hypothalamus. Die kleine Region im Vorderhirn verarbeitet viele Signale des Körpers, etwa Hormonspiegel und Körpertemperatur, und sie steuert unser Hungergefühl.
Um Signale wahrzunehmen, besitzen Neuronen Rezeptoren: Wer sich schon einmal verbrannt oder eine besonders scharfe Chili-Schote gegessen hat, hat am eigenen Leib erfahren, dass der Körper Neuronen mit hitzesensiblen Rezeptoren besitzt, sogenannte TRVP1-Rezeptoren. Diese Neuronen reagieren sowohl auf Hitze als auch auf Capsaicin, den Scharfmacher in Chilis und anderen scharfen Lebensmitteln. Könnten derartige Hitzerezeptoren im Hypothalamus vorhanden sein und die Körpertemperatur mit dem Hungergefühl verbinden?
Den Appetit unterdrückende Neuronen feuern bei Hitze
Um dies zu untersuchen, haben Jae Hoon Jeong vom Albert Einstein College in New York und seine Kollegen sich die Neuronen des Nucleus arcuatus, einer Region des Hypothalamus, von Mäusen ganz genau angeschaut. Dort befinden sich den Appetit unterdrückende, sogenannte POMC-Neuronen. Könnten diese Neuronen den TRVP1-Rezeptor tragen und somit Temperatur wahrnehmen?