Streifen, Flecken und subtile Übergänge: Das Fell der Katzen weist ganz unterschiedliche Muster auf. Wie sie entstehen, haben nun Forscher erstmals aufgeklärt. Demnach bestimmt ein einziges Gen, Dickkopf 4, schon lange vor der Bildung der ersten Haare oder Follikelzellen, wo später dunkles Fell wächst und wo nicht. Der Mechanismus dieser Musterbildung bestätigt eine Theorie des berühmten Computerpioniers und Mathematikers Alan Turing.
Ob die Streifen des Tigers, die dunklen Tupfen des Leoparden und Geparden oder die vielfältigen Fellzeichnungen unserer Hauskatzen: Die Familie der Katzenartigen hat im Laufe ihrer Evolution unzählige Variationen an Fellmustern hervorgebracht. Verantwortlich dafür ist die Pigmentproduktion der in der Haut sitzenden Follikelzellen. „Die Gene, die einfache Farbvarianten wie schwarzes Fell oder Albinismus steuern, sind in allen Säugetieren die gleichen“, erklärt Seniorautor Gregory Barsh vom HudsonAlpha Institute for Biotechnology in Alabama.
Das Rätsel der alternierenden Muster
Doch welche Gene, Mechanismen und Moleküle hinter den regelmäßigen Streifen und Tupfenzeichnungen der Katzen steckten, war bislang unklar. Einer der Gründe dafür: Die klassischen Modelltiere wie Mäuse und Ratten haben diese komplexen Farbmuster nicht. Wie solche alternierenden Muster zustande kommen, darüber grübelte schon der Mathematiker und Computerpionier Alan Turing – und kam zumindest theoretisch auf eine Lösung.
Turing postulierte 1952 den sogenannten Reaktions-Diffusions-Mechanismus als Grundlage der Musterbildung. Nach diesem werden in der Haut zwei verschiedene Moleküle produziert – ein Aktivator und ein Inhibitor. Der Aktivator bringt die Zellen dazu, dunkle Pigmente zu bilden. Gleichzeitig löst dies die Bildung des Hemmstoffs aus, der sich schneller und weiter in die umliegenden Hautzonen ausbreitet und dort die Produktion des Aktivators stoppt – als Folge bleiben diese Hautpartien hell.