Ein in Gefangenschaft lebender Weißwal kann menschliche Worte und Stimmen nachahmen. Er verändert dafür seine typischen, viel höheren Laute und passt sie auch im Rhythmus an das Muster unserer Sprache an. Das haben US-amerikanische Biologen zu ihrem eigenen Erstaunen festgestellt. „Nach sieben Jahren in unserer Obhut begann der NOC getaufte Beluga-Wal plötzlich, ungewöhnliche Töne zu produzieren“, berichten Sam Ridgway von der National Marine Mammal Foundation in San Diego und seine Kollegen im Fachmagazin „Current Biology“. Bei einem Tauchgang habe ein Taucher mehrfach deutlich das Wort „out“ gehört und zunächst angenommen, ein Kollege habe ihn zum Verlassen des Wassers aufgefordert. Doch die Quelle dieses Sprachlauts sei der Wal gewesen. Die Töne seien der eindeutige Beleg dafür, dass der Beluga gelernt habe, die Stimme des Menschen zu imitieren
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„Wir behaupten nicht, dass unser Wal ein so guter Imitator ist wie ein Papagei oder Star“, schreiben Ridgway und seine Kollegen. Aber die vom Beluga erzeugten Töne seien in Rhythmus, Lautstärkeverteilung und Frequenz denen der menschlichen Stimme sehr ähnlich gewesen – und denen normaler Walklänge sehr unähnlich. Später lernte der Wal sogar, auf Aufforderung menschenähnliche Laute von sich zu geben. Den Forschern gab dies Gelegenheit, genauer zu untersuchen, wie der Meeressäuger diese für ihn ungewöhnliche Töne erzeugte.
Wie ein Gruppe rufender Kinder
Beluga-Wale (Delphinapterus leucas) erzeugen ihre Töne, indem sie Luft durch ihre in den Nasenhöhlen sitzenden Stimmlippen pressen. Als Folge entstehen die für die Echoortung benötigten hohen Klicktöne, aber auch Pfeiflaute und schnelle Tonpulse. Schon früher hatten Forscher vereinzelt berichtet, dass die Rufe von in der Ferne umherschwimmenden Weißwalen „wie eine Gruppe rufender Kinder klinge“. Eindeutige Belege dafür, dass die Meeressäuger tatsächlich menschliche Stimmen nachahmen, habe es aber nicht gegeben, sagen Ridgway und seine Kollegen.