Emotionale Erlebnisse bleiben oft besonders stark im Gedächtnis haften, allerdings nicht bei allen Menschen gleich stark. Jetzt haben Wissenschaftler für dieses Phänomen einen molekularen Mechanismus beschrieben, der diese Unterschiede erklärt. Dabei spielt der Mandelkern, das Gefühlszentrum des Gehirns, eine wichtige Rolle. Die Forschungsresultate erscheinen diese Woche in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS).
An die Hochzeit, einen schönen Urlaub, aber auch an einen Unfall können wir uns oft noch Jahre später sehr gut erinnern. Hingegen werden alltägliche, gefühlsneutrale Geschehnisse nur oberflächlich abgespeichert und schneller vergessen. Dieser gedächtnisfördernde Effekt von Emotionen ist biologisch sinnvoll. So brennen sich erlebte Gefahrensituationen tief in unser Gedächtnis ein und können dadurch eher vermieden werden. Dieser Effekt von Gefühlen auf das Gedächtnis ist aber nicht bei allen Menschen gleich stark ausgeprägt.
Rezeptor bestimmt Stärke emotionaler Erinnerungen
Die Professoren Dominique de Quervain und Andreas Papassotiropoulos von der Universität Basel hatten in einer vorangegangenen Studie bereits entdeckt, dass eine genetisch verankerte Variante eines bestimmten Rezeptors (alpha-2B-adrenerger Rezeptor), der als Andockstelle für den Botenstoff Noradrenalin dient, dazu beiträgt, dass man sich besonders stark an emotionale Information erinnert. Die Forscher fanden zudem heraus, dass dieselbe Rezeptorvariante auch für die Stärke von quälenden Erinnerungen an traumatische Erlebnisse bei der posttraumatischen Belastungsstörung mitverantwortlich ist. Allerdings blieb bisher unklar, wie diese genetische Variante zu einem
besseren emotionalen Gedächtnis führt.