Entlarvende Zuckung: Wenn jemand lügt, verrät sich dies durch zwei blitzschnelle, mit bloßem Auge nicht sichtbare Muskelreaktionen im Gesicht, wie Messungen mittels Elektromyografie (EMG) enthüllen. Demnach zuckt je nach Person entweder ein Muskel in der Wange oder über der Augenbraue. In einem ersten Test konnte ein darauf trainiertes KI-System auf diese Weise Lügen zu 73 Prozent richtig erkennen – menschliche Testpersonen kamen nicht über zufällige Treffer hinaus.
Ob harmlose Notlüge, Schummeln oder komplexes Lügenmärchen: Lügen gilt als unmoralisch und falsch, dennoch tun wir Menschen es immer wieder. Umso wichtiger ist es beispielsweise in der Kriminalistik, Lügen und Falschaussagen sicher identifizieren zu können. Das aber ist nicht einfach. Zwar kann die Gesichtstemperatur anzeigen, ob jemand lügt, aber verlässlich ist dieses Indiz nicht. Technische Methoden wie Polygraphen und Hirnscans lassen sich austricksen und selbst trainierte Beobachter scheitern bei erfahrenen Lügnern oft.
Verräterische Muskelsignale
Eine mögliche Alternative zu herkömmlichen Lügendetektoren könnten nun Anastasia Shuster von der Universität Tel Aviv und ihre Kollegen gefunden haben. Basis ihrer Methode sind subtile Reaktionen der Gesichtsmuskeln auf eine Lüge. „Der Theorie nach manifestiert sich eine Täuschung durch unwillkürliche Mikro-Mimik, die nur 40 bis 60 Millisekunden anhalten, aber nicht mit den Emotionen übereinstimmen, die die Person durch ihre Lüge übermitteln will“, erklärt das Forschungsteam.
Um diese winzigen Zuckungen detektieren zu können, hat das Team besonders kleine, aber auflösungsstarke Elektroden entwickelt, die einfach aufgeklebt werden und dann die elektrischen Impulse der Gesichtsmuskeln auffangen. Für ihre Studie setzten die Forschenden jeweils zwei Testpersonen einander gegenüber, beide bekamen Kopfhörer auf, über die sie jeweils eines von zwei Wörtern hörten. Sie sollten dann entweder das richtige Wort ihrem Gegenüber laut mitteilen oder aber lügen und das jeweils andere Wort nennen.