Überraschende Entdeckung: Die Lebensdauer von Lithium-Ionen-Akkus lässt sich um mehr als 50 Prozent verlängern – durch eine ganz einfache Maßnahme. Dafür muss nur das erste Laden des Akkus – das sogenannte Formieren – mit bisher unüblich hoher Spannung erfolgen, wie Forscher herausgefunden haben. Diese Maßnahme verursacht zwar anfangs eine stärkere Lithiumablagerung, bremst aber später die elektrochemische Alterung der Batterie erheblich, wie das Team im Fachjournal „Joule“ berichtet.
Lithium-Ionen-Akkus sind heute fast unverzichtbar – sie stecken im Handy, im Notebook und auch im Elektroauto. Doch auch diese Akkus leben nicht ewig: Nach einigen Jahren sinkt ihre Ladekapazität, weil Lithiumablagerungen an der negativen Elektrode den internen Ladungsaustausch zunehmend behindern. Die Entwicklung dieses sogenannten Solid Elektrolyt Interface (SEI) spielt daher eine entscheidende Rolle für die Lebensdauer der Batterien.

Das erste Laden ist entscheidend
Der entscheidende Schritt im Leben eines Akkus geschieht, noch bevor er in den Handel kommt: Er wird in der Fabrik das erste Mal geladen – man spricht von der Formierung des Akkus. Sie bewirkt die kontrollierte Bildung einer ersten SEI-Schicht, die weitere Ablagerungen an der Anode möglichst bremsen soll. „Die Formierung ist der finale Schritt im Produktionsprozess“, erklärt Erstautor Xiao Cui von der Stanford University. „Wenn sie schiefgeht, ist die ganze bis dahin in die Batterie gesteckte Arbeit und Energie umsonst.“
Bisher wird das Formieren der Lithium-Ionen-Akkus langsam und mit niedriger Spannung durchgeführt. Dabei lagern sich rund neun Prozent des anfänglich vorhandenen Lithiums in der SEI-Schicht ab und fallen damit für den weiteren Ladungsaustausch aus. Diese anfänglichen Ablagerungen schirmen dafür aber die Anode vor weiteren Ablagerungen ab und bremsen so die Akku-Alterung – so die bisherige Annahme.