Das größte Tier der Urzeitmeere jagte schon vor mehr als 500 Millionen Jahren mit Hilfe leistungsfähiger Komplexaugen – Augen, die aus tausenden von Einzellinsen zusammengesetzt waren. Das belegt ein jetzt in Südaustralien entdecktes Fossil eines Anomalocaris, eines rund einen Meter langen Meeresbewohners aus der Zeit des Kambriums.
Es zeigt, dass Anomalocaris zwei gestielte Augen von jeweils zwei bis drei Zentimeter Größe besaß. Jedes dieser Augen bestand aus jeweils 16.700 Einzellinsen, wie Abdrücke der Linsenoberfläche im Gestein zeigen. Damit gehörten diese Augen zu den größten Komplexaugen im Tierreich, wie die Forscher im Fachmagazin „Nature“ berichten.
So gut wie die schärfsten Komplexaugen moderner Insekten
„Die Augen von Anomalocaris können sich mit den besten und schärfsten Komplexaugen moderner Insekten messen“, schreiben John Paterson von der University of New England im australischen Armidale und seine Kollegen. Aus der Anordnung der Einzellinsen und ihrem Winkel zueinander schließe man, dass das Urzeitraubtier sehr scharf sehen konnte – wahrscheinlich sogar besser als die meisten heute lebenden Gliedertiere.
Anomalocaris besaß einen gegliederten Körper mit lappenähnlichen Fortsätzen, die ihn zu einem sehr guten Schwimmer machten. Die Entdeckung der leistungsfähigen Augen dieses Tieres bestätige nun, dass Anomalocaris ein hochmobiler, auf Sicht jagender Räuber des Meeres gewesen sei, schreiben die Forscher. Die Position der Augen auf Stielen seitlich vorn am Kopf habe es dem Tier zusätzlich erleichtert, seine Beute aufzuspüren und zu verfolgen.