Ruinen auf der Viehweide: Im mexikanischen Chiapas haben Archäologen die Überreste des lange gesuchten Maya-Königreichs Sak Tzi entdeckt – durch Zufall. Inmitten einer Rinderweide stießen sie auf Ruinen von Pyramiden, Residenzen, einem Ballspielplatz und einem Marktplatz. Stelen mit Inschriften belegen, dass es sich dabei um die Hauptstadt des zuvor nur aus Inschriften in anderen Mayastädten bekannten Königreichs Sak Tzi handelt.
Die Maya herrschten mehr als 2.000 Jahre lang über weite Teile Mittelamerikas. Von ihrer Macht zeugen noch heute die Überreste gewaltiger Tempelpyramiden im Regenwald von Mexiko und Guatemala. Neben den großen Machtzentren wie Tikal, Chichen Itza und Palenque gab es im Mayareich aber auch zahlreiche kleinere Stadtstaaten und Königreiche, darunter Uxul, Ceibal oder El Achiotal.

Eine Steintafel von der Viehweide
Eines dieser kleineren Königreiche war Sak Tzi, von dessen Existenz Archäologen erstmals im Jahr 1994 durch Inschriften in anderen Maya-Stätten erfuhren. Auch Skulpturen zeugen davon, dass es dieses Königreich und seine Herrscher gab. Doch wo lag Sak Tzi? Lange blieb diese Frage unbeantwortet. Doch 2014 hatte der Archäologiestudent Whittaker Schroder von der Pennsylvania University eine ungewöhnliche Begegnung auf einer Landstraße im mexikanischen Chiapas.
Ein Straßenverkäufer winkte Schroder, den er als Mitglied des Archäologenteams erkannte, zu sich heran und erzählte ihm, er habe auf einer Viehweide eine alte Steintafel mit Hieroglyphen darauf gefunden. Die Hieroglyphen erwiesen sich als Mayaschrift – und die Steintafel verriet, dass sie aus dem lange gesuchten Sak Tzi stammte. Nach mehreren Jahren Kampf um Grabungsgenehmigungen war es 2018 endlich soweit: Schroder, Teamleiter Charles Golden von der Brandeis University und seine Kollegen begannen, auf der Viehweide zu graben.