Welche Auswirkungen der zunehmende Schiffsverkehr vor allem auf Meeressäuger in der Arktis hat, haben die Forscher nun untersucht. Dafür ermittelten sie für 80 arktische Populationen die momentane und künftige Dichte des Schiffsverkehrs in deren Lebensräumen und berücksichtigten die artspezifischen Anfälligkeiten für Störungen. Untersucht wurden sieben Meeressäugerarten: Belugawal, Narwal und Grönlandwal, Ringelrobbe und Bartrobbe, Walross und Eisbär.

Verlauf der Nordwest- und Nordostpassage und Verbrietungsgebiete der 80 untersuchten Meeressäuger-Populationen (grau). © Hauser et al./ PNAS
Zwei Hotspots der Konfliktzonen
Das Ergebnis: „42 der 80 Populationen lagen zumindest in Teilen an den Routen der Nordwestpassage, der Nordostpassage oder sogar von beiden“, berichten die Forscher. Besonders eng wird es dabei in zwei Gebieten: der Beringstraße und dem Lancaster Sound in Nordkanada. Denn hier trifft der zunehmende Schiffsverkehr auf besonders stark von Meeressäugern frequentierte Meeresgebiete.
„Diese Engstellen werden vor allem von wandernden Meeressäugerarten als Eingangspforten zur Arktis genutzt“, erklärt Hauser. Viele Wale wechseln mit der Jahreszeit ihren Aufenthaltsort und legen dabei hunderte bis tausende Kilometer zurück. „Gleichzeitig aber sind diese Meeresstraßen der Zugang zu den nördlichen Schiffsrouten.“
„Einhörner der Meere“ besonders gefährdet
Am stärksten gefährdet durch den zunehmenden Schiffsverkehr in der Arktis sind die Narwale, wie die Analysen ergaben. Denn sie haben gleich mehrere Eigenheiten, die sie besonders anfällig für Störungen durch den künftigen Schiffsverkehr machen. „Narwale sind sehr ortstreu und verbringen ihre Zeit im Sommer ausgerechnet mitten in den Schifffahrtsrouten“, erklärt Koautorin Kristin Laidre von der University of Washington. „Sie sind zudem extrem scheu und reagieren besonders sensibel auf jede Art von Störung.“
Ebenfalls stark belastet werden die die meisten Populationen der Belugawale und Grönlandwale, sowie viele Walrosse. Wie die Forscher erklären, bilden letztere oft nur kleine Populationen und diese liegen vorwiegend in der Nordwest- und Nordostpassage. Weniger anfällig sind dagegen die Robbenarten sowie der Eisbär. Sie haben größere und weiter verteilte Populationen und die Eisbären halten sich im Spätsommer ohnehin eher an Land auf.
Möglichst früh Regeln schaffen
Verhindern lassen wird sich der kommende Boom der arktischen Schifffahrt allerdings nicht – das ist auch den Biologen klar. Sie hoffen aber, dass Richtlinien für die Passage der arktischen Seerouten künftig zumindest in Teilen Rücksicht auf den Schutz der Meeressäuger nehmen. „Unsere Ermittlung des spezifischen Risikos ist ein erster Schritt hin zu einer Entwicklung von Best Practices für die arktische Schifffahrt“, so die Forscher.
„Man könnte versuchen Strategien zu entwickeln, damit die Schiffe Schlüsselhabitate meiden, ihre Fahrtzeiten an die Walwanderungen anpassen und sich bemühen, die Geräuschbelastung so gering wie möglich zu halten“, sagt Lairdre. Ob allerdings die Schifffahrtsindustrie sich auf Beschränkungen einlässt, die möglicherweise ihren Profit schmälern, darf bezweifelt werden. (Proceedings of the National Academy of Sciences, 2018; doi: 10.1073/pnas.1803543115)
(University of Washington, 03.07.2018 – NPO)
3. Juli 2018