Früher Eis, heute Wüste: Im Norden Namibias haben Geologen das älteste noch erhaltene Fjord-Netzwerk der Welt entdeckt – eine einzigartig konservierte Eiszeit-Landschaft. Sie entstand vor 300 Millionen Jahren, als weite Teile des alten Südkontinents Gondwana vereist waren. Bis heute sind in den U-förmigen Tälern Gletscherschrammen und Seitenmoränen und andere Eiszeit-Strukturen erhalten. Eine so gute und vollständige Konservierung über so lange Zeit ist einzigartig, wie die Forschenden im Fachmagazin „Geology“ berichten.
Die Fjorde Skandinaviens sind typische Zeugen der formenden Kraft von Gletschern: Während der letzten Eiszeit schliff die Masse des Eises tiefe, u-förmige Täler in den Untergrund. Als sich dann das Eis allmählich zurückzog, füllte erst Schmelzwasser, dann der vorrückende Ozean die tief eingekerbten Täler – die Fjordküste entstand. Auf Grönland oder in der Antarktis hält dieser Prozess noch an: Dort sind die Fjordtäler bis heute von Gletschern gefüllt.
Doch so gängig Fjorde heute sind, so vergänglich sind sie geologisch gesehen: „Große glaziale Landschaftsformen wie die Fjorde gelten als vorübergehende Strukturen – in geologischen Zeiträumen betrachtet werden sie schnell durch Erosion eingeebnet“, erklärt Erstautor Pierre Dietrich von der Universität von Rennes in Frankreich. Bisher konnten daher noch nie Fjord-Netzwerke identifiziert werden, die in Eiszeiten vor Beginn der Erdneuzeit vor 66 Millionen Jahren entstanden sind.

Gletscherschrammen und Seitenmoränen
Das hat sich nun geändert. Wie Dietrich und seine Kollegen entdeckt haben, ist im Nordwesten Namibias eine einzigartige, rund 300 Millionen Jahre alte Eiszeitlandschaft erhalten geblieben. Sie besteht aus stufenartigen Hochplateaus, die von einem tief eingekerbten Netzwerk aus Flüssen und Trockentälern durchzogen werden. Die Täler sind ein bis fünf Kilometer breit und 80 bis 130 Kilometer lang, ihre steilen Wände entsprechen der typischen Form eins Trogtals.